Zurückgespuhlt: Beatsteaks – Living Targets

Hallo Liebe Leser*innen,

in meinem heutigen Beitrag soll es um eine Platte gehen, die mein Leben verändert hat. Das klingt vielleicht abgedroschen, wird sich euch aber hoffentlich im Verlauf des Posts erklären. Bei der Platte handelt es sich um das 2002 erschienene dritte Album der Beatsteaks, meiner Lieblingsband. Die Beatsteaks sind heute mittlerweile fast jedem ein Begriff und lassen sich eigentlich in keine Schublade stecken. Ihr Sound ist wiedererkennbar, aber doch nie genau gleich. Kein Album klingt wie sein Vorgänger, jedes Album entführt uns in ein neues Universum.

Die Beatsteaks sind Arnim Teutoburg-Weiß (Gesang/Gitarre), Thomas Götz (Schlagzeug/Gesang), Bernd Kurtzke (Gitarre/Gesang), Peter Baumann (Gitarre/Gesang) und Torsten Scholz (Bass).

Living Targets (Cover mit Autogrammen)

Living Targets (Cover mit Autogrammen)

Vor 10 Jahren, ich war gerade 15 geworden, bekam ich genau dieses Album zum Geburtstag von einer Freundin geschenkt. Es war mein erstes Beatsteaks-Album und der Beginn einer unglaublichen Reise und einer großen Liebe. Seit diesem Geburtstag bin ich Fan der Beatsteaks. Anfangs vielleicht noch nicht so sehr, wie jetzt, aber sie waren von diesem Tag an ein wichtiger Teil meines Lebens. Mittlerweile besitze ich alle Alben der Band auf Vinyl, und bezeichne diese kleine Sammlung als das Herzstück meines Plattenschrankes.

Living Targets ist das erste Album, was die Band in der aktuellen Besetzung veröffentlichte. Torsten Scholz der ca. ein Jahr vorher die Position des Bassisten übernahm, und eigentlich absolut keine Ahnung hatte, wie man das Instrument spielte, wurde bei den Aufnahmen u.a. durch den Soundmann der Band, Tom Körbler, ersetzt (Zu erfahren in der Doku „Fresse halten, Bass spielen). Sowohl Torsten Scholz, als auch Drummer Thomas Götz sind keine Gründungsmitglieder der Band, jedoch ist die Band, die in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag feiert, schon lange in der aktuellen Besetzung unterwegs und nicht nur Torsten Scholz am Bass versteht sein Handwerk mittlerweile ausgezeichnet.

Die Beatsteaks werden als (eine der) beste(n) Liveband(s) des Landes gehandelt, denn die Energie, die sie auf der Bühne entwickeln schwappt aufs Publikum über und wird so zu einer gemeinsamen Energie. Sind die 5 Chaoten auf der Bühne glücklich, sind es die Fans im Publikum meist auch und umgekehrt.

Was genau macht die Faszination „Beatsteaks“ aus?

  1. Die Beatsteaks sind zu erst einmal eine Gruppe von Freunden, bevor sie eine Band sind. Und das spürt man nicht nur auf, sondern auch hinter und neben der Bühne.
  2. Jedes der 5 Mitglieder liebt den Job, und ist dankbar die Musik und die Band als Job zu haben. Sie haben vor allem auf der Bühne unheimlich viel Spaß bei dem, was sie tun.
  3. Die Band hat sich allein (abgesehen von Unterstützung von Plattenfirmen) selbst dorthingearbeitet, wo sie jetzt stehen können und dürfen. Somit nehmen sie den Erfolg nicht als selbstverständlich hin.
  4. Der Musikgeschmack der einzelnen Bandmitglieder unterscheidet sich und somit ist die eigene Musik auch von den unterschiedlichsten Stilrichtungen geprägt.
  5. Fannähe. Die Beatsteaks sind sowohl im Sozialen Netzwerk Facebook sehr aktiv, als auch über ihren eigenen Newsletter und die Webseite (betreut durch Thomas Götz). Die Fans bekommen Einblicke in den Produktionsprozess, das Tourleben und wird immer wieder über Neuigkeiten auf dem laufenden gehalten. Alles in Eigenverwaltung. Respekt!

Nun aber zurück zu Living Targets. Ich persönlich freue mich immer, wenn die Vinyl-Version eines Albums von der „Digitalen Version“ also CD oder Download abweicht. Dies ist auch in diesem Fall so. Das Tracklisting ist um einen Coversong namens „Clean Sheets“ erweitert worden. Die Originalversion des Songs ist von The Descendents, einer Band die die Beatsteaks verehren.

Folgende Songs befinden sich nun auf der Vinyl (korrigierte Listung):

  1. Not ready to rock
  2. God knows
  3. Let me in
  4. Soothe me
  5. Above us
  6. This one
  7. Disconnected
  8. A-Way
  9. Run run
  10. Mirrored
  11. To be strong
  12. Clean Sheets
  13. Summer

Was dem geübten Hörer bzw. Beatsteaksfan auffällt, ist dass beim Tracklisting auf der Rückseite ein Fehler passiert ist.

Songs auf der B-Seite vertauscht

Songs auf der B-Seite vertauscht

Nach A-Way kommt laut Cover Mirrored, es ist jedoch Run run, ein Fehler, den man dieser Band doch gern verzeiht, jedoch zu Irritationen führen kann. Zur Vinylversion erhält man des Weiteren einen Downloadcode. Eine feine Sache, die selbst heute, wo Platten wieder vermehrt gekauft werden, nicht selbstverständlich ist, jedoch in den meisten Fällen die Regel.

Als ich heute die Platte auflegte, verliebte ich mich wieder einmal neu in das Album und seine Energie. Es ist sowohl laut, als auch leise, geht gut nach vorn und ist doch auch einfühlsam und verständnisvoll. Eine gute Mischung, die zu jedem Gemüts- und Gefühlszustand passt.

Gleich zu Anfang kommt mit „Not ready to rock“ ein kraftvoller Song um die Ecke, der einen mitreißt, sodass man am Ende eigentlich sagen müsste „Na klar bin ich bereit, mit euch zu rocken!“.

Weiter geht es dann mit „God Knows“ und einer einprägsamen Zeile „God knows what we’re doing here“. Ein Song der gut passt. Bis auf Schlagzeuger Thomas Götz ist niemand in der Band ausgebildeter Musiker und hat sich sein Instrument selbst erarbeitet. Er ist auch der einzige, der Noten lesen kann. So funktioniert diese Band wohl frei nach dem Motto „Ich hab eigentlich keine Ahnung, was ich hier mache, aber es macht Spaß und klingt gut!“ Wenn jemand Spaß an der Musik groß schreibt, dann wohl diese Band.

„Let me in“, eine Nummer, die auf keinem Konzert fehlen darf und immer Publikumsbeteilugung erfordert. Erst wird sich hingekniet, und dann drehen bittesehr alle am Rad. Funktioniert auch nach 10 Jahren nach wie vor.

If you come in from the cold
I’ll warm you up
And we’ll take it slow

Soothe me, aus der Feder von Schlagzeuger Thomas, ist ein Song, der einen in den Arm nimmt, wie eine unausgesprochene Liebeserklärung. Ein Song, der aber auch Mut macht:

We’ve got all the time we need
And our plans to succeed

Von Anfang an übte dieser Song eine ziemliche Faszination auf mich ausgeübt, so sehr, dass ich ihn immer und immer wieder gesungen habe und während meiner kurzen Zeit, die ich in einer Band war, auch mit musikalischer Begleitung interpretiert habe. Wenn mich mal der Mut verlässt, singe ich ihn mir heute noch vor, um mir selbst Mut zu machen.

Ich intepretiere ihn für mich dahingehend, dass es wichtiger ist, seine Liebe durch Taten zum Ausdruck zu bringen, als durch die berühmten drei Worte. Außerdem höre ich auch heraus, dass man nicht aufgeben sollte, nur weil ein Plan vielleicht nicht gleich beim ersten Versuch aufgeht. Alles hat seine Zeit und manchmal muss man einfach geduldig sein.

Vertonter Weltschmerz findet sich in Disconnected wieder. Man spürt die Einsamkeit, das „sich verloren fühlen“ und das „den Boden unter den Füßen verlieren“ in kaum einem Song so deutlich, wie in diesem. Ein Song, der es einem ermöglicht, den ganzen Schmerz rauszulassen und loszulassen, um danach durchzuatmen und gestärkt wieder ans Werk zu gehen. Danke dafür!

Spätestens mit „To be strong“ ist diese Trauer aber vorbei und man wird motiviert weiterzukämpfen und wieder aufzustehen, um seinen Weg weiterzuverfolgen, wohin er auch führen mag.

Time is on my side
I’m not here to hide
I need to breathe
And i’m not scared

Das Album endet dann mit DER Beatsteakshymne überhaupt: SUMMER. Ein Riff, dass Beatsteaksfans auf Livekonzerten in Ekstase bringt, in der sie gemeinsam den Bandnamen rufen. Er diente auf der Creepmagnet Tour und bei den Jubiläumskonzerten in der Wuhlheide als Opener, zurecht, wie ich finde. Mit dieser Meinung stehe ich auch sicherlich nicht allein da.

Ihr seht, dieses Album hat für jede Lebenslage den passenden Rat und für jede Stimmung den richtigen Song. Ein Gesamtkunstwerk, was sich als Vinyl wirklich gut macht. Denn man hört genauer hin, nimmt die Musik intensiver wahr und nimmt sich die Zeit das Kunstwerk als ganzes zu betrachten.

Arnim, Sänger der Beatsteaks, sagte einmal in einem Interview, dass er glaubt, die „Energie“ der Beatsteaks schon auf Platte gepresst zu haben. Vielleicht ist das aber genau der Ansporn der Band, sich stetig zu verbessern, neu zu erfinden und immer weiterzumachen. Denn: sie sind noch längst nicht am Ziel angekommen.

Und so gratuliere ich (verspätet) den Beatsteaks doch noch zum Geburtstag.
Alles Liebe und Danke, dass es euch gibt!

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