Tomatenplatte003: Thomas Götz und seine EINERBANDE

Nach den vielen Jubiläumskonzerten im letzten Jahr und der Veröffentlichung der Single Collection haben sich die Beatsteaks eine wohlverdiente Pause gegönnt. Doch Beine hochlegen ist nicht drin. Sänger Arnim und Bassist Torsten sind als DJs in der Republik unterwegs.

Schlagzeuger Thomas Götz hingegen begab sich ins Studio um – richtig – Musik zu machen. Herausgekommen ist dabei eine neue 7“ Vinyl mit 2 Songs, die er auf seinem eigenen Label „Tomatenplatten“ herausbringt. Thomas war so lieb mir per Mail ein paar Fragen zu der VÖ zu beantworten.

tomatenplatten003-003

 

 

Für alle, die noch nie etwas von Tomatenplatten gehört haben und sich nichts darunter vorstellen können, habe ich ihn gebeten das Konzept noch einmal in eigenen Worten zu beschreiben:

Tomatenplatten ist der Name meines Kleinstlabels, auf dem ich bisher ausschließlich meinen eigenen Kram in kleinsten Stückzahlen veröffentliche. Die erste Tomatenplatte erschien Ende 2011 und am 12.02 erschien die dritte Single mit den beiden Liedern Halbleer/Halbvoll. Zum Vorhören gibt’s die beiden Lieder auf Soundcloud.

Die beiden Lieder tragen zwar deutsche Namen, gesungen wird aber dennoch auf Englisch. Auch das übernimmt der Label-Chef wieder selbst, gleiches gilt übrigens für das Einspielen der Instrumente.

Halbvoll

Der Anfang des Songs erinnert an einen verkaterten Morgen nach einer durchzechten Nacht. Alles ist etwas laut und überdreht, man kann die Stimme nicht ganz aus der Geräuschkulisse herausfiltern. Nach einem Moment jedoch wird alles deutlicher und man stolpert auf einer von Gitarren angeführten Melodie aus dem Bett und in den Tag.

Halbleer

hingegen klingt wie der Soundtrack für einen Tag, an dem einen nichts und niemand aufhalten kann, an dem alles möglich ist. Der Song vermittelt das Gefühl unverwundbar zu sein, weil man einfach gut drauf ist.

Your day’s so bright

It feels like love at the first sight

A sure shot no need to run and hide

Out oft he blue into the white“

Tomatenplatten erscheinen nur auf Vinyl und als digitale Version zum Download. CDs gibt es keine. Ich bin der Sache mal auf den Grund gegangen und wollte wissen, was gegen eine CD-VÖ spricht.

Gegen eine Veröffentlichung auf CD spricht meines Erachtens gar nichts. Die CD ist einfach eines von vielen Formaten auf denen Musik gespeichert werden kann, wenn sie nicht als Stream durch den virtuellen Raum flirrt. Mich persönlich interessiert die CD an sich einfach nicht so dolle. Von der „Haptik“ verliert sie gegen die Schallplatte aufgrund der Grösse und in einen Mp3-Player passt sie leider auch nicht rein. Die anfänglich viel umjubelte bessere Klangqualität ist, persönlicher Geschmack, Quatsch oder was auch immer. Ich bin nicht so der High End Typ, deswegen misch ich mich in die Klangdiskussion besser nicht ein. Bei Tomatenplatten geht es für mich einfach darum Spaß zu haben, und Schallplatten zu pressen macht einfach mehr Spaß, als CDs zu kopieren.

In dem Punkt mit der Haptik stimme ich mit Thomas überein. Ich weiß gar nicht einmal mehr, wann ich das letzte Mal eine CD gekauft habe. Es ist auf jeden Fall eine ganze Weile her.

Die neue Platte unterscheidet sich von ihren beiden Vorgängern vor allem darin, dass er sie unter einem neuen Namen, nämlich EINERBANDE veröffentlicht hat. Außerdem ist die Single, die unter der Katalognummer Tomatenplatte003 erschienen ist, im freien Handel über Cargo Records erhältlich.

Thomas führt folgende Gründe für diese Entscheidung an:

Ich wollte einfach, dass jede/r interessierte überall meine Platten bestellen/kaufen kann. Ich will Tomatenplatten ja nicht geheim halten. Vielleicht will ich ja auch mal Musik von anderen Bands veröffentlichen, da ist ein Vertrieb schon gut zu haben, sonst bleibt der Band nur der Verkauf auf Konzerten. Bisher hab ich die Platten am Wegesrand der Beatsteaks-Touren zu den Händlern gebracht, was viel Spaß gebracht hat, sehr interessant war und mir auch sehr schöne Bekanntschaften verschafft hat. Aber wegen jeder Tomatenplatte eine Beatsteaks-Tour zu organisieren wär ja nun …….na ja…..

Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie viel Energie und Inspiration der Musiker neben den Beatsteaks (und auch NinaMarie) für noch mehr neue und auch „andere“ Musik hat, wie er das schafft, verrät er im Interview:

Ich bin generell uninspiriert, habe aber viel Spaß daran Musik zu machen und jede Idee irgendwie aufzunehmen und damit rumzuspinnen. An der Energie mangelt es zum Glück auch nicht. Ich mach mehr oder weniger einfach worauf ich Bock habe. Andere fahren gern in den Urlaub…ich eben in den Proberaum.

Was mich persönlich immer sehr interessiert hat, ist der Prozess, oder besser gesagt, der Weg von der Idee über die Aufnahme bis zur Veröffentlichung. Daher wollte ich von Thomas wissen, was in der Regel zu erst da ist, die Songidee, oder die Entscheidung ein Album / eine Single aufzunehmen. Thomas dazu:

Songideen sind ganzjährig zu verfolgen. Wenn dann genug da sind, wird eine Platte gemacht, vielleicht stimmt das so rum.

Eine Tomatenplatte mach ich wenn ich Songs habe, auf die die Beatsteaks keinen Bock haben, die mir aber was bedeuten.

NinaMarie-Patten entstehen, wenn Marten und ich die Zeit finden, zusammen was zu machen.

Und eine Beatsteaks-Platte passiert, wenn alle fünf Beteiligten bereit dazu sind und Lust drauf haben.

 

Thomas und ich wohnen beide in Berlin. Wir sind uns sogar schon einmal in einem der unten genannten Plattenläden begegnet. Wir wissen also um den Luxus, dass es in dieser Großstadt so unglaublich viele Plattenläden zu besuchen gibt. Da ich die Chance hatte, ihm ein paar Fragen zu stellen, wollte ich gerne zum Abschluss wissen, welche 5 Berliner Plattenläden er einem Berlinbesucher und Platteninteressenten empfehlen würde. Hier seine Antwort:

Bis aufs Messer, Friedrichshain – wenn’s um gute Gitarrenmusik geht

HipHopvinyl, Friedrichshain – wenn online bestellen und live abholen und falls klamotteninteressierte freunde dabei sind

Dodo Beach, Schöneberg – wegen allen möglichen Genres & der riesigen Auswahl

VoPo Records, Prenzlauer Berg –  wegen Vossi, Janette, (Anm.: die beiden Betreiber), einem Gespräch und einem Punkrock-Tipp,

Core Tex Records , Kreuzberg – wegen der Institution, dem Streetpunk und der O-Straße.

Static Shock Musik, Neukölln –  wegen überhaupt

Ups waren das 6? 

 

Wenn ihr mehr über Tomatenplatten wissen wollt, schaut doch mal auf der Webseite oder bei Facebook vorbei.

Ab dem 19.2. gibt es die digitale Version auch auf den bekannten Download-Portalen.

Die Platte bekommt ihr im Laden eures Vertrauens, bei finestvinyl, Flight13  oder direkt über Cargo Records.

Ich bedanke mich bei Thomas, dass er sich die Zeit genommen hat und freue mich schon, die Platte bald selbst in den Händen halten zu können.