Gastbeitrag #01 – Florence + The Machine: Lungs

Ich freue mich heute den ersten Gastbeitrag von Guren (19) mit euch zu teilen.

Gurens Text (Happy Birthday!!) befasst sich mit dem Debut Album von Florence + The Machine, doch ich lasse Gurens Worte einfach für sich & das Album sprechen:

Das Debütalbum Lungs der inzwischen äußerst bekannten Sängerin Florence Welch erschien am 06. Juli 2009 in Großbritannien und vier Tage später auch in Deutschland und schlug dort ein wie die metaphorische Bombe. Etliche Songs des Albums hielten Einzug in TV Serien und Filmen, wie z.B. bei Grey’s Anatomy, Gossip Girl, Skins, Glee und Filmen wie Wild Child oder Eat Pray Love.

Während die Welt Florence schon 2009 feierte, sollte es noch einige Jahre dauern, bis ich die Band und besonders das Debütalbum Lungs für mich entdeckte und zu lieben lernte.

Florence + the Machine wurde im Jahr 2007 gegründet und lässt sich grob als Indie-Rock/ -Pop / -Folk oder auch Artrock kategorisieren. Das Herzstück der Band ist Sängerin und Songwriterin Florence Welch (geboren am 28. August 1986 in London). Ich hatte das Glück die Band vor kurzem Live in Berlin zu sehen und habe festgestellt, dass es eines der besten Konzerte meines bisherigen Lebens war, was nicht zuletzt an der absolut einzigartigen Energie und umwerfenden Gesang von Florence Welch liegt, die sie mühelos auf Zuschauer und Band überträgt und die sich meiner Meinung nach mit am Stärksten in ihrem Debütalbum finden lässt.

Lungs ist eines jener Alben, die man immer und immer wieder hört und die man bei jedem erneuten Hören ein wenig mehr liebt. Jedes Lied ist nicht nur musikalisch ansprechend, sondern hat in den meisten Fällen einen sehr emotionalen Liedtext. Ich bin kein großer Musikkenner, aber ich liebe Musik, die ein gewisses Gefühl vermitteln kann oder eine gewisse emotionale Botschaft aussendet. Viele Lieder des Albums fand ich nach dem gefühlt 10. Mal hören nur „ganz nett“, bis ich sie in einer ganz bestimmten Stimmung oder Lebenssituation gehört habe und es plötzlich „KLICK“ machte und ich erst dann so richtig verstand, was mit dem Lied vermittelt werden sollte.

Lungs ist ein Album mit einem ganz speziellen Stil, der schon beim kunstvollen Cover beginnt und sich durch jeden einzelnen Song zieht. Man liebt es oder man hasst es. Wer Florence Welch kennt, wird schnell Parallelen zur Fleetwood Mac Sängerin Stevie Nicks ziehen – wallende Tücher, dramatische, oft sehr emotionale Bühenauftritte und einprägsame Stimmung. Dennoch schafft Florence einen sehr viel eigeneren, wilderen Stil, der ihr nicht umsonst den Titel „Storm Witch“ eingebracht hat.

Im Folgenden möchte ich ein paar Worte über für mich bedeutsame Lieder aus dem Album verlieren. Dazu ist zu erwähnen, dass ich fast alle Songs aus ganz unterschiedlichen Gründen genial finde, aber ein paar mich besonders geprägt haben.

 

Dog days are over

Wohl ohne Zweifel einer der bekanntesten und beliebtesten Songs des Albums. Für mich ist es einfach ein absolut positiver Track. Wir alle kennen die schlechteren Tage des Lebens, ob man nun mit physischen oder psychischen Problemen zu kämpfen hat oder einfach mal alles nicht so will wie man selber – die rhythmischen Trommeln schaffen es immer zumindest mich mitzureißen und erinnern an Sonnenschein und an das Gefühl, wenn man wild über eine Wiese rennt und für einen Augenblick alles Schlechte vergisst und hinter sich lässt.

Rabbit Heart (Raise it Up)

Rabbit heart mit seinem kryptischen, metaphorischen Text hat mich als einer der ersten Songs für Lungs begeistert. Vor allem die Erwähnung des berühmten König Midas und die sehr ursprüngliche, religiöse Handlung einer Opferung faszinieren. Ich habe dieses Lied schon unzählige Male gehört und immer noch entdecke oder verstehe ich Teile davon, die ich vorher noch nicht ganz erfassen konnte. Es ist wirklich nicht schwer sich Florence in weißem Kleid, wunderschön, bei etwas so ursprünglichen und heidnischen wie einer Opferzeremonie vorzustellen. Das Lied steht für mich stellvertretend für all die Songs der Band, bei denen man beim Hören anfängt zu träumen und die Bilder ganz von alleine anfangen zu entstehen.

Girl with one eye

Girl with one eye ist tatsächlich ein Cover des Originalssongs von The Ludes und in der Top Ten meiner absoluten Lieblingssongs, trotz des sehr makaberen Inhaltes. Es ist eines dieser Lieder, die man einfach unglaublich laut dreht und mitsingt und den Wahn und den Schmerz des Ich-Erzählers fühlt. Das hat es absolut der gewaltigen Ausdruckskraft von Florence Welch zu verdanken. Sie schafft es die Brutalität, Rücksichtslosigkeit, Vulgarität, Labilität aber auch Verletzlichkeit des Erzählers mit samtener und kraftvoller Stimme rüber zu bringen. Es ist eines dieser Lieder die man laut nachts in seinem Zimmer hört oder sentimental an lauen Sommertagen. Auch nach dem gefühlt hundertsten Mal anhören beschert es mir immer noch eine Gänsehaut.

My boy builds coffins

Musikalisch nicht unbedingt das Highlight des Albums aber meiner Meinung nach inhaltlich unglaublich stark. Der Freund, der leidenschaftlich gerne Särge baut, mit Sorgfalt und Liebe und Kunstfertigkeit, nur damit sie anschließend im Erdboden versinken. Es ist nicht nur ein Beruf für ihn, sondern mehr eine Berufung. Dieses Lied ist für mich ein einziges großes „Memento Mori“ (frei übersetzt: „Gedenke des Todes!“) Symbol. Der junge Mann, der einfach eine Weisheit und eine Akzeptanz besitzt, die weit über sein tatsächliches Alter hinauszugehen scheint und der scheinbar in der Lage ist, den Tod zu akzeptieren und als Teil seines Lebens anzunehmen. Jeder stirbt früher oder später und dieses Lied ist für mich eine tiefe Inspiration diesen Aspekt des Lebens nicht zu vergessen.

Hurricane drunk

Ein weiteres Lied, das zugegeben eigentlich nicht unbedingt der abwechslungsreiche Kracher ist und einen sehr eindeutigen Inhalt hat. Was mich dazu bringt das Lied hier zu erwähnen, ist meine eigene Natur. Ich bin ein eher introvertierter Typ, aber ich neige dazu Probleme schmerzhafter Art auf altbewährter Weise loszuwerden, wenn sich mir die Möglichkeit bietet: Alkohol, Party, Tanzen und einfach für einen Abend alles vergessen und von sich werfen. Für mich übermittelt das Lied perfekt das Gefühl, wenn man angetrunken lautstark über alles mögliche lacht, man aber immer noch diese Ziehen in der Brust spürt und man sich noch ein Glas einkippt um es loszuwerden, nicht mehr und nicht weniger.

Hardest of hearts

Dieser Song ist der einzige Grund, warum ich mich dazu entschieden habe, hier die Deluxe edition des Albums vorzustellen. Er trifft mich sehr, sehr tief und es ist schwer zu begreifen was ihn so kraftvoll macht, wenn man nicht ähnliches erlebt oder bisher empfunden hat. Meiner Meinung nach handelt er schlicht und ergreifend von schmerzhafter Liebe. Personen, die man so sehr liebt, dass es weh tut. Das kann mit dem Gefühl beginnen, was man manchmal hat, wenn man einen wunderschönen Tag erlebt oder so wunderschöne Dinge sieht, dass sie einen absolut traurig machen. Als ob man an einem wundervollen Sommertag auf einer Bank sitzt und einfach alles ist ruhig und atemberaubend und statt euch darüber zu freuen wird euch schlagartig klar, dass dieser Moment gleich vorüber ist und nie wieder kommt, weil sich euer Leben in den nächsten Tagen drastisch verändert. Ich hatte bisher das Glück im Unglück Leute unglaublich zu mögen, bei denen ich einfach von Anfang an wusste, dass es zum scheitern verurteilt war. Wem so etwas schon mal passiert ist, der weiß, wie schrecklich das sein kann. Man hält sich von den Personen fern, versucht sie zu meiden, ihre Fehler zu finden – und dennoch schaffen sie es sich irgendwie einen Weg ins eigene Herz zu bahnen und es ist das Beste und Schlechteste was man erleben kann. Das härteste Herz, das erweicht wird und Liebe die man nicht zurück halten kann, aber gleichzeitig auch nicht ausdrücken kann, obwohl man es so krampfhaft versucht.

 

Ich kann Lungs nur jedem absolut empfehlen – vielleicht gehört ihr ja auch zu den Leuten, die es lieben werden. Und sei es nur wegen der unglaublich sympathischen Florence Welch, die sich auch gerne mal in der winzigen Bar um die Ecke betrinkt, die kleine Bühne stürmt, anfängt „Get Lucky“ zu covern, Tequila Gläser auf den Boden schmeißt und anschließend Crowd Surfing ausprobiert – bei ungefähr 5 Zuschauern. Es ist und bleibt ein einzigartiges Album und eine einzigartige Band und Sängerin, die, wen man die Musikrichtung mag, sehr viel Freude und tolle Momente bringen können.

 

Dank Ronjas Einsendung habe ich mich dann auch (endlich) mal intensiver mit der Band befasst, deren bekanntere Songs mir natürlich ein Begriff waren. Ich habe es nicht bereut und danke Ronja für die Zeit und die Inspiration.

 

Hier könnt ihr euch das Album anhören, viel Spaß dabei!