Akzeptanz: Sportfans vs. Musikfans

Was unterscheidet einen Sport-Fan von einem Musik-Fan?

NICHTS

So sollte es zumindest sein, aber leider macht die Gesellschaft da einen gewaltigen Unterschied.

Fußballfans, die ihre Vereine zu Auswärtsspielen begleiten und nebenbei eine Dauerkarte besitzen werden in der Regel als „normal“ angesehen. Normal meint in dem Fall mehrheitlich akzeptiert. Die Fanclubs organisieren oft gemeinsame Reisen zu Auswärtsspielen. Das ist nicht nur beim Fußball, der in Deutschland meist „gefeiertsten“ Sportart der Fall, sondern u.a. auch beim Eishockey.

Niemand würde hier auf die Idee kommen Sachen wie „Du hast den Verein doch schon so oft spielen sehen, warum gehst du denn immer wieder in Stadion?“ zu fragen.
Das hat einen einfachen Grund: Kein Spiel (Ob nun Tennis, Eishockey, Basketball, Darts oder Fußball) gleicht dem anderen. Ein Aufeinandertreffen von zwei Mannschaften oder Spielern verläuft nie exakt gleich.

Musikfans hingegen müssen sich oft erklären, warum sie einer Band hinterherreisen, eine ganze Tour mitmachen und ggf. sogar ins Ausland reisen, um Konzerte zu besuchen.

Wo genau wird die Grenze zwischen Sportbegeisterung und Musikbegeisterung gezogen? Warum genau gibt es da überhaupt eine Grenze? Warum macht es einen Unterschied, ob ich eine Mannschaft mit Herz und Seele anfeuere und unterstütze, oder mich für eine Band (oder mehrere) begeistere?

Genau wie bei einer Sportveranstaltung laufen zwei Konzerte einer Band nie 100% gleich ab. Und das ist doch auch gerade das, was einen Liveauftritt ausmacht. Es ist nicht vorhersehbar, wo der Abend hinführt. Wichtig ist doch nur, dass man einen Schönen Abend hat. Der Ort des Geschehens spielt doch absolut keine Rolle. Und doch müssen wir uns viele Fragen gefallen lassen. Fragen, die sich Sportfans nicht stellen müssen. Hier mal ein paar Beispiele.

Warum fährst du denen denn hinterher?

Weil ich Lust dazu habe, die Künstler live zu erleben?! Weils mir gut tut, mal aus meinem Alltag zu entfliehen?! Vielleicht aber auch, weil die Band live eine unglaublich tolle Energie hat?!

Was haben die denn jemals FÜR dich gemacht?

Ich fühle mich verstanden, die Songs geben mir Kraft und Mut. Oft ist es sogar so, dass Musiker die Dinge, die mir im Kopf rumschwirren viel besser ausdrücken können, als ich selbst. Sie tun mir gut, und machen mich glücklich. Das ist doch nun wirklich mehr als genug. Da muss ich nicht ne persönliche Beziehung zu jedem einzelnen Bandmitglied haben. Es reicht zu sehen, dass sie auf der Bühne Spaß haben, der sich dann auf die Zuschauer überträgt.

Bist du ein Groupie?

Wenn wir ehrlich sind, sind fast alle weiblichen Fans einer Band, die zum Großteil aus männlichen Musikern besteht, irgendwann einmal mit dieser Frage konfrontiert worden. Mal ganz von der heteronormativität dieser Frage abgesehen, zeigt sie einfach, dass wir oft nicht ernstgenommen werden, was unseren Musikgeschmack angeht. Schönen Dank auch!

Nur weil ich als Frau einer Band hinterherreise und sie oft live sehe, heißt das noch lange nicht, dass ich irgendwelches sexuelles Interesse an der Band hätte. Warum gehen so viele Menschen denn gleich davon aus? Ich MAG die Band, so wie andere Menschen ihren Verein. Daran ist nichts verwerfliches. Klar ist es ein schönes Gefühl, wiedererkannt zu werden, weil man des Öfteren in der ersten Reihe zu sehen ist. Das ist doch auch viel schöner, als irgendeine von (keine Ahnung wie-) vielen Bettgeschichten zu sein. Danke nein! Allein bei dem Gedanken schüttelt es mich.

Eine Freundin von mir schrieb schon einmal etwas zu den Vorurteilen gegenüber weiblichen Fans im Allgemeinen. Das könnt ihr HIER nachlesen.

 

Also „liebe Gesellschaft“, was ist dein Problem? Warum werden Musik-Fans von dir immer noch anders wahrgenommen als Fußball-Fans? So wie Menschen z.B. beim Fußball Aggressionen abbauen können, können Musikbegeisterte für die Dauer eines Konzertes mal all den Scheiß vergessen, der im Alltag lauert. Also hört bitte endlich auf anderen einzureden, dass da was nicht stimmt. Nur weil ihr es in euren Leben vielleicht nicht nachvollziehen könnt, was uns Konzerte, Festivals und das Touren bedeuten, heißt es nicht dass etwas verwerfliches daran wäre. Denn das ist es absolut nicht.

Wir lassen euch auf eure Art glücklich sein, also lasst es uns doch bitte auch auf unsere Art sein. Ja, liebe Eltern, das richtet sich auch an euch! Wenn eure Kinder glücklich sind, dann ist das ein Grund zur Freude und auf jeden Fall unterstützenswert!

 

Ich hab durch Konzertbesuche und ähnliches so viele wunderbare Menschen kennengelernt, mit denen ich auch außerhalb der Begeisterung für gewisse Bands viele Gemeinsamkeiten habe. Daraus haben sich mittlerweile herzliche und intensive Freundschaften entwickelt.

Ich möchte mir jedenfalls kein Leben ohne Konzerte vorstellen, so wie ich niemals jemanden verurteilen würde, der für Fußballspiele durch die Republik reist.

Do what makes YOU happy and don’t do what others expect you to. Be yourself and enjoy!

(Mach, was dich glücklich macht und nicht das, was andere von dir erwarten. Sei du selbst und genieße es!)