Gastbeitrag #02 – Bosse: Kraniche

Ihr Lieben,

heute ist es wieder soweit, es gibt einen neuen Gastbeitrag von Alina, aber ich will nicht zu viel vorwegnehmen. Also hier ist er nun. Ich wünsche ganz viel Spaß beim Lesen:

Das Leben ist zu kurz und viel mehr als in Ordnung“ – Aki Bosse

Mara hatte mich super lieb gefragt, ob ich bei ihren Gastbeiträgen mitmachen will, aber, ganz ehrlich, ich hätte auch ohne Bitte oder dergleichen mit gemacht, weil es nichts Schöneres als Teilen gibt. Besonders wenn es um Musik geht. Also, hier bin ich.

Ahoi, liebe Leute. Ich bin Alina, bin junge 17 Jahre alt und habe noch nicht viel in und von der Welt gesehen, aber dafür schon ganz schön viel Musik gehört.

Da war es für mich schwer eines meiner Lieblingsalben aussuchen. Echt. Ich habe so sehr mit mir gehadert und tagelang überlegt, ganze Alben durchgehört und rumgeeiert, bis mir Mara quasi einen Schubs gegeben hat und ich mir für meine erste große Liebe entschieden habe. Und deshalb stelle ich euch das Album Kraniche des deutschen Sängers Bosse vor.

Bosse, das ist der Künstlername von Aki Bosse, einem Indie-Solokünstler aus Braunschweig, der eigentlich schon sein ganzes Leben Musik macht, aber zwischendurch auch mal als Pooljunge gearbeitet hat oder nur vor fünf Menschen gespielt hat. Solokünstler ist auch eigentlich nicht das korrekte Wort, denn er hat eine große Live-Band um sich gesammelt, ohne die wäre Bosse heute nicht das, was es ist. Bosse ist nämlich eine Naturgewalt. Kein deutscher Musiker transportiert so viel Energie, so viel Leben wie dieser Mann, seine Texte und seine Band. Ich schwöre. Der Einzige, bei dem ich ähnliches erlebt habe, ist Maeckes. Aber ansonsten gibt es für mich keinen, der so ist wie er.

Richtig, richtig groß raus kam er erst mit Kraniche, seinem mittlerweile fünften Album (es gibt schon sechs Stück, hört die euch alle an, huiuiuiui) und hören tu ich seine Musik schon länger. Irgendwie bin ich mit ihm aufgewachsen und gewachsen. Bosse und seine Musik sind schon so lange ein Teil meines Lebens, ich kenne es gar nicht mehr ohne. Außerdem möchte ich gar kein Leben ohne Bosses Musik leben, denn Bosse, oder Aki, versteht mich nicht nur ziemlich gut und kann unfassbar tolle Songs schreiben, nein, er hat mich bewegt und schafft es immer noch. Bosse bringt mich zum Lachen, sehr viel davon sogar, zum Kopfnicken, zum Weinen und ganz besonders dazu, dass ich jede Emotion einmal komplett durchleben kann, und das nur in knapp einer Stunde. Das ist Kraniche.

Aber erst einmal mit den Fakten anfangen: Kraniche wurde am 08. März 2013 veröffentlicht, hat heute den Goldstatus und stieg auf Platz Vier der Charts ein. Es war bis dato also das erfolgreichste Bosse-Album. Es folgte ein Tour-Zyklus, welcher aus der „normalen“ Kraniche-Tour, sowie der „Leise-Landung-Tour“, welche rein akustisch war, bestand. Das Album wurde teilweise in Istanbul und Umbrien aufgenommen – in Istanbul lebte Bosse mit seiner Familie für einen kurzen Zeitraum und Umbrien hatte er sich ein Landhaus zum Studio umfunktioniert. Er arbeitete zusammen mit dem Produzenten Phlipp Steinke. Auf Kraniche befinden sich 12 Songs, die musikalisch und auch textlich wesentlich ausgeweiteter und größer als die des Vorgängers. Das gilt übrigens auch für Akis Stimme.

Dieses Album handelt von einer Zeit in Akis Leben, in der er auf der Suche war. Eine Zeit, in der er neue Dinge entdeckte und ein alter Lebensabschnitt in einen neuen, gefestigten überging. Man hört einen Aki, welcher unentschlossen und ängstlich ist („Alter Affe Angst“), einen, der sein Leben noch nicht ganz im Griff hat („Vier Leben“) und natürlich einen, der sehr viel liebt und deshalb erlebt hat. („Istanbul“, „Vive La Danse“) So lernt man viel über diesen Mann und auch über sich selbst, nimmt Erfahrungen auf und wächst mit dem Protagonisten. Kraniche, das ist der Soundtrack für das große Kapitel der Suche in einem Leben und genauso fühlt es sich an. Nicht jedem wird es gefallen, da Aki oft mit Wörtern jongliert, die nicht ganz alltäglich sind – wer sing schon über Döner-Reste und schöne Frauen in einem Atemzug? – aber der, der sich auf Aki und seine besondere Art zu texten einlässt, wird sein Zuhause und seinen Weg auf und mit Kraniche finden.

Zumindest hab ich mein Zuhause darin gefunden. Ich kann gar nicht jeden einzelnen Song beschreiben und was er mir bedeutet, weshalb ich euch nur die, für mich, wichtigsten Stücke aus dem Album etwas näher bringe.

Da wäre zum ersten der Hit des Albums: „Schönste Zeit“. Ja, das ist der Song mit der „Neil Young und Nirvana-Shirt“-Zeile, genau den meine ich. In „Schönste Zeit“ singt Aki über seine Jugend, über seine erste große Liebe und über die ersten ganz großen Emotionen. Unterstrichen wird das Ganze durch eine sehr markante Klavier-Line. Mich lässt der Song nostalgisch werden und auch ziemlich wehmütig, denn ich denke nicht nur an die Anfänge meiner Jugend, die sich, machen wir uns nichts vor, auch ihrem Ende nähert, sondern auch an eine ganz schön wichtige Freundschaft in meinem Leben. Der Song erinnert mich an einen sehr besonderen Menschen, der auch viel in meinem Leben in kurzer Zeit bewegt hat. Und irgendwie erinnert es mich auch jedes Mal an meine Freunde, die von weiter her kommen, wenn Aki „Und Berlin war wie New York, ein meilenweit entfernter Ort.“ singt. Ich kann mir nur wünschen, dass jeder eine gute Erinnerung hat, an die er bei diesem Song denken kann. Denn dafür ist der da. Macht aus 1994 einfach 2016.

 

Ein weiterer großartiger Song, den ich jedem ans Herz legen kann, ist der Titeltrack/Opener des Albums, „Kraniche“. Wesentlich ruhiger als andere Lieder auf dem Album, zumindest am Anfang. Er handelt er von der typischen Orientierungslosigkeit und wie man sie abschüttelt. Der Song und seine Botschaft wachsen mit jeder neuen Zeile parallel mit der Musik. Ein Moment der Stille, in der einmal der Atem angehalten wird, geht schließlich über in „An der nächsten Haltestelle steig’ ich aus, Bretterbolenwege bis zum kleinen Haus. Licht an alle Fenster auf. Licht an alle Fenster auf: Ich bin raus.“ Man kann es sich gut vorstellen – dieser Mensch ist ganz allein in seinem Alltag, seiner gewöhnlichen Heimat, aber will mehr. Das nimmt er sich schließlich auch. Damit wird das Album perfekt eröffnet.

 

So oder So“ ist neben „Schönste Zeit“ wohl der bekannteste Song des Albums, mit dem haben Bosse schließlich 2013 den Bundssvision Song Contest gewonnen. Angetreten sind sie für Niedersachsen, mal so ganz trivial und nebenbei erwähnt. Das ist das Video, in dem Bosse so lustig in und durch Berlin tanzt. Im Gesamten handelt der Song davon, dass man das Leben einfach auf sich zukommen lässt und es im Endeffekt immer alles gut wird. Eine schöne, sehr optimistische Einstellung, die von energischer Musik unterstrichen wird und den Hörer eigentlich direkt dazu antreibt, aufzustehen und zu tanzen und etwas zu erleben. Dabei richtet sich Aki mit väterlichen Rat an den Zuhörer und haut eine Lebensweisheit nach der anderen raus. Wem es danach nicht besser geht, dem kann ich auch nicht helfen. (Eventuell bin ich der einzige Mensch, der gerade bei so einem Song einen kompletten Heulkrampf hatte, als ich ihn live gehört habe, aber das ist etwas ganz anderes und hat nur mit mir zu tun.)

Mein absoluter, wirklich, absoluter Lieblingssong von Bosse, ist der Closer des Albums, „Konfetti“. Der langsamste und wahrscheinlich schwermütigste Track, auf der gesamten Platte. In „Konfetti“ singt Bosse über eine Liebe, die länger als eine Party dauert – diesen einen besonderen Menschen, den man nach jeder Party mit nach Hause nehmen will. Aber irgendwie ist es mehr als das, viel, viel größer. Für mich steht dieser Song für mehr als das. Es geht ja auch um den einen Menschen, der Licht in das eigene Dunkel gebracht hat, und das berührt mich so ungemein an diesem Song, ohne dabei groß in eigene Anekdoten zu verfallen. Ich glaube, man muss diesen Song selber hören und auf sich wirken lassen, ihm Raum geben.

So sieht es mit dem ganzen Album aus. Man kann Kraniche nicht einmal hören und dann ist man fertig. Man sollte mit jedem Song seine eigenen Erinnerungen, Emotionen und Geschichten machen. Im besten Fall, so wie bei mir war, findet man sich dadurch selbst, oder man wird auf der eigenen Suche zumindest etwas angetrieben. Das hat Aki nämlich auch bei mir gemacht. Und am Schönsten wächst man schließlich gemeinsam.

 

Man versteht sich selbst und das Leben etwas mehr. Das macht Kraniche so besonders.

 

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Hier könnt ihr euch noch Alinas All-time-favorite Songs von Bosse anhören: