Darf Musik politisch sein?

 

Ich finde: Ja, natürlich.

Doch es scheint, als wäre das nicht für alle selbstverständlich. Man muss nicht unbedingt Zeitung lesen um zu bemerken, dass Deutschland, aber auch Europa, derzeit einen enormen Rechtsruck hinlegt. Ich muss hier niemandem erzählen, wie stark die AfD gerade ist, oder wie Knapp die Wahl des Bundespräsidenten in Österreich ausgegangen ist.

Letzten Sommer habe ich auf dem Nova Rock in der Nähe Wiens ein unglaublich schönes Wochenende verbracht. Das Festival sprühte nur von Internationalität. Nicht nur auf der Bühne gab es Acts aus den verschiedensten Ländern, nein auch auf dem Campingplatz wurden unterschiedlichste Sprachen gesprochen. Ich habe mich trotz der Hitze dort wohlgefühlt.

Wo es international zugeht, geht es auch tolerant zu, sollte man meinen. Scheinbar leider doch nicht. Dieses Jahr verkündeten die Initiatoren des Festivals auf Facebook, dass es zum ersten Mal einen Stand von „Keinen Bock auf Nazis“ auf dem Festivalgelände geben würde. Was anschließend in den Kommentaren zu der Bekanntmachung abspielte, war erschreckend.

Ich bin der Ansicht, dass jeder gegen Fremdenfeindlichkeit sein sollte, unabhängig davon, wie man sein eigenes Leben lebt, oder in welche Richtung man sich politisch engagiert. Die „Nebenwirkungen“ von Rassismus sollten uns noch gut in Erinnerung sein. Viele der Kommentatoren fühlten sich direkt angegriffen und als Nazis „vorverurteilt“. Oft konnte man Dinge wie „Politik hat auf einem Festival nichts zu suchen“ oder auch „Politik und Musik gehören nicht zusammen“.

Bedeutet „gegen Neo-Nazis“ zu sein automatisch „links“ (Radikal) oder politisch zu sein? Ich denke, dass es nur bedeutet aus der Geschichte gelernt zu haben, weltoffen und tolerant zu sein. Klar wird in diesen Tagen in beide Richtungen stark und schnell geurteilt und pauschalisiert. Ein weiteres Zeichen dafür, dass es derzeit nicht allzu gut um die Toleranz und Akzeptanz bestellt ist, dass Vielfalt immer mehr Menschen ein Dorn im Auge zu sein scheint.

 

Musik befasst sich grundsätzlich erst einmal mit Themen, die den Menschen im Allgemeinen betreffen. Kummer, Sorgen, Glück, Liebe sind oft und wiederkehrend behandelte Themen. Ebenso ist aber auch das aktuelle Weltgeschehen, Widerstand, Support von Minderheiten oder auch eine gewisse Anti-Haltung etwas, was jeden Menschen, vielleicht in unterschiedlicher Gewichtung, immer betrifft. Musik soll Menschen helfen, sich verstanden, unterstützt oder auch weniger allein zu fühlen.

Musik ist Trost und Antrieb. Das ist auch genau richtig und gut so. Es kann in der Musik ja nun nicht immer nur um Saufen oder Feiern im Allgemeinen gehen. Sie bietet zurecht eine Plattform oder Lebenseinstellung, mit der der Zuhörer sich im besten Fall identifizieren kann. Musik darf anprangern, Kraft spenden, eine Schulter zum ausheulen, Arschtritt und, ja, natürlich auch politisch sein. Mal ehrlich, wo wären wir denn ohne Punkrock und aussagekräftige Texte? Zum Beispiel GEGEN die Dinge, die in dieser Welt falsch laufen, oder FÜR die, die funktionieren? Für viele ist Musik nur ein (kleiner) Teil des Lebens, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht alle Bereiche des Lebens und unserer Gefühls- und Gedankenwelt abdecken darf, beziehungsweise sollte.