Gastbeitrag #03 – Adam Angst: s/t

Der Monat nähert sich dem Ende und ich darf euch einen neuen Gastbeitrag präsentieren. Dieses Mal kommt er von Annika, die übrigens auch einen eigenen wunderbaren Blog betreibt. (Diesen und weitere findet ihr übrigens seit neuestem in der Blogroll in der Sidebar)

Ich habe das Album übrigens bei einem Plattenladenbesuch in Köln einfach mitgenommen, ohne vorher auch nur einen Song gehört zu haben, da mein Umfeld ziemlich von dieser Band schwärmte. Das war definitiv eine der besten „Blindkäufe“ meines Lebens. So viel steht definitiv fest!

Ich will euch aber auch gar nicht so viel vorwegnehmen und überlasse Merchmädchen, wie sie sich gern nennt, das Feld. Viel Spaß:

 

Puh. Ein Gastbeitrag. Als Mara mich gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte ein bisschen für ihren Blog zu schreiben, war ich direkt ganz aus dem Häuschen. Immerhin schreibe ich generell liebend gerne über Musik, aber Mara ist eben auch ein guter Mensch für den man sowas gerne macht.

Ich, Annika, bin frische 23 Jahre alt, schreibe selbst einen kleinen Musikblog und möchte euch heute gerne eine meiner liebsten Bands vorstellen. Mit einer weiblichen Stimme kann ich leider nicht aufwarten, aber ich hoffe, dass ihr trotzdem gefallen an Adam Angst finden könnt.

Aber wer sind diese Adam Angst eigentlich? Für die, die sie noch nicht kennen: Adam Angst ist, nach Frau Potz und Escapado, die 3. Band um Felix Schönfuss, welche mir bekannt ist. Das 2015 erschiene gleichnamige Debutalbum ist für mich eines der besten des letzten Jahres. Bei der Genre-Einteilung möchte ich mich aber doch gleich an Herrn Schönfuss halten, der sich für die schöne Formulierung „kritische Texte mit Gitarrenmusik“ entschieden hat. Genre-Einteilungen finde ich nämlich richtig ätzend.

Allerdings möchte ich euch jetzt gar keine klassische Rezension liefern, sondern einfach ein bisschen über Adam Angst erzählen und meine Beziehung zu dieser Band. Natürlich kommt die Musik dabei auch nicht zu kurz, aber es gibt so Bands mit denen verbindet man einfach viel mehr als nur Musik. Mit Adam Angst verbinde ich vor allem Erinnerungen an den letzten Sommer.

Angefangen hat alles aber natürlich mit dem Release vom Album im Februar 2015, wobei ich immer noch nicht so ganz damit zurechtkomme, dass das schon ein Jahr her sein soll. Auf dem Plattenteller war das Album von Anfang an ganz gut und auch das Konzert im März war nicht schlecht, aber so richtig angefangen hat alles erst in Hamburg. Eigentlich war konzertfreier Urlaub geplant und auf einmal findet man sich im übervollen Molotow wieder. Für die Kenner: Nicht unten, sondern oben. Wohnzimmerkonzert quasi.

Von diesem Zeitpunkt an ging eigentlich alles ziemlich rasant. Ich und die beste Komplizin der Welt sind in die bescheuertsten Dörfer gefahren (Ein Gruß geht raus an den Hürth Rockt Ev.), haben im Regen gestanden, haben am Merch rumgehangen und ganz allmählich waren Adam Angst nicht mehr nur eine Band, die gute Musik macht, sondern eine Herzensangelegenheit. Seit diesem Sommer wird jedes Konzert mitgenommen, welches auch nur irgendwie angekündigt wird. Die halbe Herbsttour war an dieser Stelle nur die Spitze vom Eisberg. Wir sind auch schon in Lichtgeschwindigkeit nach Braunschweig gefahren oder haben uns beschauliche kleine Ortschaften wie Saarbrücken näher angesehen.

Eine Sache, die ich Adam Angst aber vor allem zu verdanken habe, sind eine weitere Bereicherung meines Freundeskreises, denn ohne die 5 Flitzpiepen würde ich so manchen Menschen nicht kennen. Ich würde nicht einmal diesen Beitrag schreiben, denn wie sollte es eben auch anders sein, habe ich Mara bei Adam Angst in Berlin zum ersten Mal gesehen. Dementsprechend darf ich mich nicht nur für die Musik bedanken. Wo wir gerade bei Musik sind. Ich habe euch vorhin immerhin auch versprochen ein bisschen über die Musik zu reden.

Wie oben schon gesagt machen Adam Angst kritische Texte gepaart mit Gitarren. Insgesamt ist die Musik sehr ausgefeilt und keineswegs überladen. Leise sucht man Adam Angst so gut wie vergebens. Adam Angst treffen mit ihren Texten genau auf den Punkt und gerade dafür liebe ich das Debutalbum sehr. Die Texte sind vollkommen ausgereift und es sitzt eben auch alles. Die Texte und die Musik gehen einfach eine perfekte Harmonie miteinander ein. Vor allem zeigt das Album wie unterschiedlich „Gittarrenmusik“ sein kann und wie viele Facetten „Punk“ haben kann.

„Adam Angst“ spricht alle wichtigen Themen an, ob es jetzt die wirklich wichtigen großen Themen sind oder eben die kleinen alltäglichen. Nur eins haben die Lieder alle gemeinsam im Endeffekt sind sie alle auf ihre Art missmutig und dagegen. Eben einfach kritisch.

Um euch das Ganze vielleicht ein bisschen näher zu bringen, habe ich auch noch ein paar Anspieltipps für euch:

„Professoren“: Einer dieser Songs, die ich sehr gern habe, aber bei denen ich es noch schöner finden würde, wenn sie eben keine Relevanz hätten. „Professoren“ richtet sich gegen all die Schlauberger, „besorgten Bürger“ und „Ich bin doch kein Nazi, aber ..“-Typen, welche die Welt nicht braucht, die momentan aber immer wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen. Nebenbei wurde das Lied in meiner Heimatstadt geschrieben, was ehrlich gesagt, dann doch nicht ganz für eben diese spricht.

 

„Altar“: Hach, eine jede Empfehlung ohne dieses Lied zu empfehlen, wäre Verschwendung. Ein Tipp: Gebt einfach nicht auf. Ihr werdet vollkommen verstört sein, aber spätestens nach dem ersten Drittel werdet ihr euren Spaß an dem Lied haben. Für mich eines der liebsten Lieder auf dem ganzen Album. Allerdings verbinde ich auch immer irgendwelche für anderen Menschen vollkommen unwichtigen Live-Momente mit den Liedern und hier ist es wohl: „Habt ihr Bock auf Pop?!“

„Was der Teufel sagt“: Tango, mon amour! Auch hier könnte man im ersten Moment vollkommen verwirrt sein, aber gerade dieser rhythmische Anfang, der so untypisch klingt, zeigen doch wie abwechslungsreich eine einzige Band eben schon sein kann. Noch dazu wie hoch ein Mann mit seiner Stimme kommen kann. Auf charmante Art und Weise wird hier eine Geschichte erzählt, die wirklich jeder von uns so oder so ähnlich kennt. Freitag, man sitzt mit alten Freunden am Tisch, man hat nichts mehr zu sagen ..

„Wochenende. Saufen. Geil.“: Tja, hierzu noch einmal eine kleine Anekdote: Felix erzählt irgendwann davon, dass ihn die Oberbaumbrücke inspiriert hat und ich spaziere so bei meinem letzten Berlinbesuch über eben diese und drehe mich zu Nicole, um ihr zu sagen, dass es ja doch nur halb so schlimm ist und musste meine Worte direkt korrigieren. Wochenenden in Berlin sind die Personifikation von „Wochenende. Saufen. Geil.“ Oder das Lied ist die Verkörperung von eben diesen Abend in Berlin. Egal, wie rum man es jetzt dreht. Das Lied ist und bleibt hörenswert!

„Splitter von Granaten“: Wichtiges Thema. Musikalisch top. Einfach anhören! Für mich auch jetzt noch ein Gänsehautlied.

Eigentlich könnte ich euch hier auch noch die restlichen Lieder vom Album aufzählen, aber das sollte erst einmal reichen. Trotzdem würde ich sagen, dass es viel besser ist einfach das komplette Album zu hören und nicht nur einzelne Songs. Das Album ist einfach ein Gesamtkunstwerk.

Und keine Angst an all diejenigen, die Felix Schönfuss eben auch als den „Ein Album“-Mann kennen. Das Album wird (hoffentlich wirklich) einen Nachfolger bekommen und ich bin mir absolut sicher, dass es dem letzten Album in nichts nachstehen wird, denn sind wir einmal ehrlich an Themen kann es einfach nicht mangeln, denn gerade das macht Adam Angst für mich aus: Aus den kleinsten Momenten werden die größten Lieder herausgeholt.

 

Hier könnt ihr in das Album reinhören, ich hoffe es gefällt euch ebensogut, wie Annika und mir!