Billy Talent – Afraid Of Hights

Canada hat einiges zu bieten. Freundliche Menschen, viele Seen und Wälder und im Winter auch jede Menge Schnee. Wofür das Land neben der Freundlichkeit, der Natur, dem Ahornsirup und Eishockey allerdings hierzulande bekannt ist, sind 4 Menschen, die gemeinsam Musik machen. Ziemlich gute sogar. Die Rede ist von BILLY TALENT.

 

Am 29.07. veröffentlichten Billy Talent ihr fünftes Studioalbum, welches auf den Namen „Afraid of Hights“ hört. Eins ist sicher, ihren Wiedererkennungswert haben die vier nicht verloren, auch wenn Drummer Aaron auf Grund eines MS-Schubs leider nicht selbst die Schlagzeugaufnahmen einspielen konnte. Auch bei den Deutschlandkonzerten wird er nicht dabei sein können. In ihren Texten behandeln die Canadier auch dieses Mal wieder auf gewohnt kritische Weise das aktuelle Zeitgeschehen, das macht sich direkt im Opener „Big Red Gun“ bemerkbar.

 

Der Song dreht sich um die Waffengesetze in den USA, die wesentlich weniger streng sind, als hierzulande und auch in Canada. In den USA kommt man wesentlich leichter an Schusswaffen für den privaten Gebrauch, als in vielen anderen Ländern. Die Existenz dieser Gesetze lässt sich weit in der Gesichte der Vereinigten Staaten zurückverfolgen. Sie sind in den Augen vieler Kritiker nicht mehr zeitgemäß. Die Waffenlobby ist jedoch so mächtig, dass die Versuche Obamas die Gesetze zu verschärfen scheiterten.

Brothers in arms that share my fears
Time to protect what you hold dear
There’s been a rise in new ideas
Threatening to change the way we live

Aber auch die Waffenhalter, die zumeist diese konservativen Ansichten teilen, pochen ungeachtet der vielen Unfälle und Tragödien, die sich Jährlich (!) ereignen, auf ihr Recht scharfe Waffen in ihren Privathaushalten lagen und führen zu dürfen.

I’m gonna shoot, shoot, shoot till the thrill is gone
‚Cause this is my right no matter the cost
Get outta my sight when baby’s got a big red gun

[…]

And all I want is a big red gun,
I’m gonna shoot, shoot, shoot till the thrill is gone
And how many lives will have to be lost,
To understand why my baby’s got a big red gun?

 

Diese Waffengesetze sorgen leider auch immer wieder dafür, dass Schusswaffen und deren Gebrauch im Alltag vieler Jugendlicher an der Tagesordnung sind, wodurch ebenfalls eine Art Abstumpfung begünstigt wird und es gehäuft zu Waffengewalt, vor allem auch gegen People of Colo(u)r kommt.

 

Die Höhenangst, um die es im Titeltrack zum Album geht, steht unseres Erachtens nach stellvertretend, für alle Ängste, die es im Leben zu überwinden gilt. Für die einen ist es die Höhenangst, für jemand anderen ist es die Angst vor der Dunkelheit oder vor Spinnen. Es geht darum, dass man immer kämpfen sollte und es oftmals leichter ist, gemeinsam mit anderen, die vielleicht die gleichen Ängste haben, an ihnen zu arbeiten, sie zu überwinden und an ihnen zu wachsen. Aber auch darum, wie viel Kraft einem Liebe, in welcher Form auch immer, geben kann.

 

Together I know, together I know
That we’d burn like a rocket’s afterglow
Together I know, together I know
We could conquer the stars beyond this world

 

Louder Than the DJ ist eine Kritik an der Musikindustrie, in der es immer weniger um das Beherrschen von Instrumenten und das Schreiben von Songs, als um den perfekten Hit für die Charts geht. Immer mehr Künstler greifen deshalb auf Musik und Melodien aus der Konserve zurück. Sie richten sich dabei natürlich nach den Bedürfnissen bzw. Erwartungen der Konsumenten. Denn die Einkünfte und Charts-Platzierungen hängen an den Verkäufen der einzelnen Songs. Viele Menschen scheinen tiefgründige Musik/Lyrics satt zu sein und wünschen sich eingängige leichte & fröhliche Musik. Sie soll in erster Linie tanzbar sein und den Kopf nicht zu sehr anstrengen. Musik wird immer häufiger auf Parties, als auf Konzerten oder vor der heimischen Musik-Anlage konsumiert.

Die Band selbst wünscht sich jedoch, dass die Jungend wieder zur, vielleicht in ihren Augen ehrlicheren, (Rock)Musik zurückfindet.

The party’s over call it a night
I hope you had the time of your life
They say that Rock will never survive
It’s up to youth to keep her alive

 

Des Weiteren geht es auf der Platte um die Spaltung der Gesellschaft auf Grund der politischen Ereignisse in der Welt, um den Umgang mit und die Anerkennung von psychischen Erkrankungen und religiösen Fanatismus. Kurz gesagt, befasst sich das Album mit all den Dingen, die den Menschen an sich beschäftigen.

Wir finden, dass es sich auch dieses Mal um ein sehr gelungenes Album handelt, in das man sich vielleicht zunächst hineinhören muss. Es ist typisch Billy Talent, trotz der spürbar neuen musikalischen Einflüsse, die allerdings gekonnt umgesetzt werden. Billy Talent schaffen es, sich ihren eigenen Sound zu bewahren, ohne dabei auf der Stelle zu treten. Vielleicht sind sie nicht mehr so sehr Punk, wie noch auf ihrem ersten Album, aber so wie auch wir mit unseren Erlebnissen wachsen, wachsen auch Musiker. Sie lernen dazu und entwickeln sich weiter.

Wir freuen uns jedenfalls sehr auf die Konzerte zum Jahresende und sind gespannt, wie sich der „Ersatzdrummer“ Jordan Hastings, der auch die Drums für das Album eingespielt hat, live schlagen wird. Aaron wünschen wir natürlich viel Kraft und Gesundheit.