Interview: Mister Me

Vor Kurzem berichtete ich schon einmal über meine Neuentdeckung Mister Me, einen Singer-Songwriter, der 2015 seine erste EP „Nackt“ veröffentlichte.

„Mister Me hat seine Wurzeln ursprünglich im Hip-Hop, schreibt aber mittlerweile gefühlvolle, emotionale Texte. Wie heißt es so schön? Das Schicksal schreibt die besten Geschichten. Das trifft wohl auch auf diesen Künstler zu. Nicht nur die Texte, nein auch die Melodien sind berührend, fast schon magisch.“ – den gesamten Beitrag findet ihr hier.

Im Frühjahr nächsten Jahres ist die Erscheinung des Albums geplant. In der Zwischenzeit war Mister Me viel unterwegs und verkürzt uns die Wartezeit nicht nur mit Konzerten, sondern auch mit ganz speziellen Versionen seiner Songs. Einige davon werden in anderen Gewändern auch auf dem Album landen.

Einer seiner persönlichen Favoriten ist „Licht an“, ein Song, für den er gemeinsam mit dem Berliner Kneipenchor ein Video gedreht hat.

Ich durfte ihm nun ein paar Fragen stellen und wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Welche musikalischen Vorbilder hast du und haben diese Einfluss auf dein Songwriting?

Früher war das ganz heftig. Ich glaube da gab es eine Phase, in der man sehr sehr gut raushören konnte, welches Album ich grade rauf und runter höre.
Ich bin vor allem auch so ein Typ, wenn ich irgendwas extrem feiere, dann wird es gespielt bis es mir zu den Ohren rauskommt und dann auch nichts anderes. Dementsprechend hatte ich z. B. eine Maeckes-Phase, die man in meinen Texten total raushören konnte. Casper auch. Heute ist es etwas anders. Ich höre Musik aber auch anders als früher. Man analysiert viel mehr andere Musik und hat eine andere Haltung dazu. So wird man eher kritisch und ist weniger Fan. Das ist ein Nachteil, wenn man eben nur noch Musik macht. Ich habe aber auf jeden Fall auch versucht, viel mehr Songs zu reflektieren und sie immer und immer wieder zu bearbeiten, sodass sie im Kern wirklich auch nach mir klingen. Wenn ich intuitiv schreibe, weiß ich oft auch noch nicht, was ich überhaupt mit dem Song sagen will, das passiert dann oft später, wenn man den Kern ausarbeitet. Ich glaube dadurch (so soll es zumindest sein) klingt es dann auch glücklicherweise mehr nach mir.

Was ist deiner Meinung nach das beste Album, das in diesem Jahr erschienen ist?

Sehr schwer. Definitiv viel gehört hab ich Maxims neue Platte „Das bisschen was wir sind“. Starkes Album! Und jetzt ganz frisch die neue Maeckes Scheibe. Für mich glaube ich das beste Album dieses Jahr!

Laut deiner Website hast du bisher 50 Songs geschrieben, von denen es 6 bereits auf die EP „Nackt“ geschafft haben. Im nächsten Jahr soll ein Album kommen. Wie schwer ist dir die Auswahl der Songs auf der EP aus dieser großen Anzahl an Songs gefallen?

Was so in Pressetexten steht, um eine konkrete Zahl zu haben (lacht). Ich schreibe ja schon seit längerem und eigentlich auch immer stetig an Songs. Damals als ich die Nackt EP gemacht habe gab es allerdings tatsächlich eine beachtliche Anzahl an Songs. Für die EP war es mir wichtig eine gute Stimmung zu haben und einen guten Querschnitt an Stimmungen, Themen und Arten von Songs drauf zu haben. Also Songs die etwas poppiger sind als auch Nummern mit mehr Text/Rap Charakter.

Wo siehst du den größten Unterschied zwischen deinen „alten“ Raptexten und den Songs, die du für das kommende Album und die EP „Nackt“ geschrieben hast?

Früher ging das alles eben aus dem Bauch heraus und war sehr intuitiv. Ich hab mir da nie die Frage gestellt, ob man überhaupt mein Anliegen versteht. Das war halt Rap. Nimm dir einen Beat, kick da was drauf und gut ist. Da gab es sicherlich immer bestimmte Sätze, die was Besonderes hatten, aber die wurden dann kaum herausgestellt.
Das hat sich irgendwann durch die Arbeit an den Songs ergeben, z.T. auch mit anderen Musikern. Ich reflektiere jetzt viel mehr Gedanken und Sätze, die ich schreibe und nehme mir für einen Song viel mehr vor, als nur irgendwas auf Papier zu bringen. Das bringt aber auch so eine normale persönliche Entwicklung mit sich. Ich reflektiere grundsätzlich mehr.
Nichtsdestotrotz habe immer noch eine große Angst, das falsche Wort zu schreiben und dann einen Song fertig zu machen und am Ende zu checken „Ach Mann, ist eigentlich nicht so geil“.

Deine Texte sind ja überwiegend autobiographisch und daher auch sehr emotional. Was inspiriert dich abgesehen von deinen eigenen Erlebnissen dazu einen Song zu schreiben?

Ach, das kann so vieles sein. Letztendlich kommt es ja drauf an, wie ich bestimmte Dinge wahrnehme. Jeder Mensch nimmt so unterschiedlich wahr. Zur Zeit freue ich mich so sehr auf Tour zu sein und genießen zu können, dass wir Konzerte spielen, bei denen wir etwas zu essen bekommen und einen guten Schlafplatz. Weil das einfach nicht immer so war und ich dafür schon einige Bühnen bespielt habe. Das ist vielleicht super banal und kindisch, sich über so einen Kleinkram zu freuen, aber für mich fühlt es sich toll an, einfach nur spielen zu können und sich um den ganzen Rest keine Gedanken mehr machen zu müssen. So ist das ja mit Songs auch. Ich nehme irgendetwas wahr und vielleicht wird kein ganzer Song daraus. Aber wenn mich etwas berührt hat es doch zumindest auf meine Sichtweise und den Prozess des Schreibens Einfluss. Trotz autobiographischen Fragmenten handeln meine Songs ja auch nicht ausschließlich von vergangenen Erlebnissen, sondern eher von meiner Draufsicht auf bestimmte Ereignisse und wie ich mit ihnen umgehe.

Gibt es im Gegenzug auch Momente, Erlebnisse oder Gedanken, die dir zu persönlich sind um sie in einem Song zu verarbeiten? Oder schreibst du sie dann für dich nieder, ohne sie letztendlich veröffentlichen zu wollen?

Eigentlich nicht. Aber es gibt Ereignisse, die einfach extrem lange brauchen bis ich verstanden habe, wie ich sie vertexten kann, ohne mich zu „nackt“ zu machen oder bis ich verstanden habe, wie meine persönliche Sicht zu bestimmtem Dingen eigentlich ist. Auf dem Album wird es einen Song geben, der von Panikattacken handelt und das ist jetzt kein Thema, welches sich so einfach behandeln lässt, aber auch kein Thema, in dem ich dann einfach „oh du Panikattacke“ singe. Ich will dem Thema gerecht werden und dann dauert sowas halt mal sehr sehr lange. Klar gibt es da auch Songs, die ich dann nicht veröffentliche, weil sie noch nicht so weit sind wie ich es mir wünsche. Da nehme ich mich des Themas lieber später nochmal in einem neuen Song an.

Was waren die schönsten Rückmeldungen, die du auf deine Musik bisher bekommen hast?

Mir hat zuletzt jemand erzählt, dass er bei einem Konzert zusammen mit seinem Partner die Songs „Winter“ und „Fremd“ gehört hatte. Dieser Partner hätte wohl Depressionen und die Beziehung der beiden wäre schon seit langem am Ende. Die Songs haben dann irgendwie etwas ausgelöst, das Ganze zu beenden. Das hat mich auf eine andere Art und Weise berührt als sonst, weil es einfach nicht das typische Feedback ist. Die Berührung ist natürlich toll, aber die Konnotation dazu ist ja irgendwie unschön. Da habt ihr euch jetzt getrennt, toll! Bitte? Das war komisch, aber auch speziell das so zu hören. Und wenn es beiden jetzt in ihrem aktuellem Leben besser geht, dann ist es auch nicht mehr so befremdlich, das zu hören. Ansonsten freue ich mich grundsätzlich sehr. Aber wenn es so spezielle Geschichten sind umso mehr.

Du bist ja das, was man einen Newcomer nennt, was wünschst du dir für deine musikalische Zukunft?

Das ausdrücken und machen zu können, was ich bin. Das ging in der Vergangenheit nicht immer so gut. Bei Konzerten schon, da bin ich ganz ich. Aber es gab auch Zeiten, in denen ich mich beim Musik machen nicht so frei fühlen konnte. Das hat sich geändert. Und dafür bin ich dankbar! Musik machen zu dürfen, auf eine Bühne gehen zu können, weil Menschen davor stehen und dich dazu berechtigen, deine Kunst zu machen empfinde ich als riesengroßes Geschenk. In diesem Jahr mit knapp 60 Konzerten umso mehr! Das darf gern so weitergehen!

Anlässlich der Veröffentlichung des Albums wird Mister Me sich natürlich auch wieder auf die Bühnen des Landes begeben. Solltet ihr ihn also verpasst haben, oder euer Interesse geweckt worden sein, habt ihr bald wieder die Chance ihn Live zu erleben.

Bis es soweit ist, könnt ihr euch mit seinen Videos auf  Youtube und seiner EP die Wartezeit verkürzen.

 

 

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