Interview: Karies

Karies

Bremen, Freitagabend gegen 23 Uhr. Bis vor wenigen Minuten standen Karies auf der Bühne im Lagerhaus. Zwei Drittel der kleinen gemeinsamen Tour mit den Wolf Mountains sind gespielt und ich freue mich ein Teil von ihr zu sein. Die Besucher begeben sich langsam auf den Heimweg.  Der Backstage ist viel mehr mehr ein kleiner, verqualmter Abstellraum voller Kabel, Filmreels und technischer Geräte. In der Luft hängt immer noch die Euphorie des Abends. Mittendrin ein kleiner runder Tisch, der gerade so in den Raum passt, sodass man sich darin noch bewegen kann. Dort treffe ich auf Jan, Kevin und Max von Karies, die mir Rede & Antwort stehen.

Wer von euch sitzt am häufigsten beim Zahnarzt?

Kevin: Ich war schon ziemlich lang nicht mehr beim Zahnarzt.

Jan: Ich war das letzte Mal vor einem halben Jahr.

Max: Also Jan.

Jan: Ja und davor hab ich auch schon öfter Prophylaxe gemacht und so. Ist schon wichtig.

Kevin: Shit ich war so lang nicht mehr beim Zahnarzt.

Ihr habt in diesem Jahr nicht nur viele Konzerte gespielt sondern auch für Turbostaat und die Beatsteaks eröffnet. Was habt ihr von diesen Auftritten für euch „mitnehmen“ können?

Kevin: Schwer zu sagen. Vielleicht ein bisschen zu sehen, was so möglich für eine aus der Punk-ecke kommende Band und wie sich das etablieren und beständig bleiben kann. Ich weiß nicht ob wir uns das bewusst abgeschaut haben, oder irgendwas daraus gelernt haben. Aber es war interessant so etwas mal zu sehen. Bands bei denen es sich schon eingependelt hat.
Turbsostaat haben uns erzählt, wie es war, als sie auf einem Major Lable waren, was es da alles für Tücken und Reize gibt. Aber sowas ist ja heute kein Thema mehr.

Jan: Vielleicht hat uns das etwas mehr Bekanntheit gebracht.

Kevin: Wir haben immer noch ein gutes Verhältnis zu Turbostaat.

Ich bin selbst viel auf Konzerten und habe das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren eine Ignoranz gegenüber Vorbands/Supportacts entwickelt hat. Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?

Kevin: Ich glaube man ist nicht vorbereitet, wenn man eine Band wie Karies vor den Beatsteaks sieht. Ich kann mir aber vorstellen, dass zumindest bei ein paar Leuten ein bisschen was hängen geblieben ist und wenn die sich das später nochmal anhören, vielleicht noch besser einordnen können.

Max: Bei den Beatsteaks und gerade bei Turbostaat waren die Leute sehr aufgeschlossen. Wobei es bei Beatsteaks für mich auch absehbar war, dass die Leute jetzt nicht auf uns gewartet haben. Dafür fand ich sie wirklich sehr wohlwollend, die Reaktionen.

Wie überwindet ihr Nervosität vor Konzerten?

Kevin: Gar nicht, ich glaube wir sind da recht abgestumpft und machen einfach unser Ding.

Welche Songs machen euch Live momentan am meisten Spaß?

Kevin: Wir haben 2 neue Songs die wir gerne spielen, zumindest machen sie mir viel Spaß. Also „Pebbo“ macht mir sehr viel Spaß.

Jan: Ja mir auch.

Kevin: Den haben wir über den Sommer ziemlich spontan und ziemlich schnell zusammengetragen, den Song.

Jan: Und „Was du nicht siehst“.

Kevin: Was du nicht siehst macht auch Spaß.
„Traum von D“ macht auch immer Spaß vor allem weil wir wieder ein bisschen improvisationsfreudiger sind.

Jan: Ich glaube den spielen wir jetzt wieder besser. Oder am Besten. Aber kein Selbstlob hier, bitte nicht.

Welche 5 persönlichen Gegenstände dürfen auf Tour nicht fehlen?

Max: Das sind dann vielleicht wirklich die Basics, die man so braucht. Handyladegerät, das Handy und dann halt so Klamotten und so Zeug.

Kevin: Frische Klamotten.

Reinhold (Gitarre/Gesang bei Wolf Mountains) mischt sich ein: Ja aber wenn ihr es jetzt mal runterbrechen müsst auf fünf Gegenstände.

Kevin: Okay. Fünf Gegenstände. Warte.

Reinhold: Ist dann Deo wichtiger, als die Zahnbürste?

Kevin: Ich würde immer, egal wo ich hingehe, meinen Schlüssel mitnehmen. Schlüssel und Geldbeutel. Dann frische Klamotten, Kopfhörer und der Rest ist variabel.

Reinhold: Ja aber Zahnbürste vor Klamotten?

Kevin: Ja okay Pflegeutensilien, selbstverständlich.

Reinhold: Ja aber du darfst nicht vergessen: Fünf Gegenstände. Wenn du sagst „Klamotten“ Ist dann dein Lieblings T-Shirt dabei oder eine Zahnbürste?

Kevin: Der Witz ist , wenn ich auf Tour fahre kaufe ich mir immer erst eine Zahnbürste bei DM, kurz bevor wir losfahren.

Reinhold: Ja, aber verstehst du, was ich meine? Klar: Klamotten, Handy …

Kevin: Guck mal, wir holen hier viel zu weit aus, dabei sollte es eine dieser knackigen, kurzen Antworten werden.

Welches Verhalten vom Publikum nervt euch? / Welche Reaktionen freuen euch?

Max: Gut ist natürlich immer, wenn die Leute sich bewegen.

Kevin: Das ist schön.

Max: Dann kann es aber auch sein, dass ein paar Leute zu euphorisch sind. Das kann eine Person sein, die rumrempelt und  dann andere Leute stört. Das ist dann eine komische Atmosphäre.

Kevin: Das kommt aber selten vor, dass jemand rumrempelt, aber das gabs schon.

Jan: Bierduschen.

Musik wird ja gern in Schubladen und Kategorien eingeteilt. Wenn eure Band eine Schublade wäre, was würde außen auf dem Lable stehen? Wie würdet ihr eure Musik selbst in Worte fassen?

Kevin: Treibend.

Max: Das sind dann tatsächlich wieder andere Schubladen. Irgendwie Postpunk zum Beispiel.

Kevin: Ach. So meinst du das.

Max: Mir fallen jetzt grade keine Adjektive ein. Ich würde uns jetzt nicht in irgendwelche Genres stecken wollen. Wie Kevin schon sagt treibend aber auch ein bisschen verstörend, Krach.

Kevin: Ein bisschen finster. Dynamisch natürlich und es ist schon auch Rockmusik. Ich hab gestern Abend einfach mal so den Wikipedia Artikel über Rockmusik gelesen. Ich habe dabei versucht mir vorzustellen, dass ich nicht wüsste, wie sich das anhört und habe versucht mir das so vorzustellen, wie es da beschrieben wird.
Das trifft schon auch auf Karies zu. Mit verzerrten Gitarren und Schlagzeug, das mit dem Bass sich verknüpft. Texte, die meist geschrien werden. Das ist Rockmusik laut Wikipedia.

Jan: Verknüpfungen find ich auch gut. Die Verknüpfungen der Instrumente, wenn wir spielen. Unser Zusammenspiel.

Kevin: Genau. Es geht nicht um Schubladen, es geht um Verknüpfungen. Ich glaube jeder, der Musik hört, ruft ab, was die Person kennt und versucht das dann zu verknüpfen mit gewissen Punkten, die man halt kennt und nachvollziehen kann. Deswegen sagen alle, dass wir wie eine Band aus den 80ern klingen.

„Wahrheit Träumt nicht“ ist einer meiner persönlichen Favoriten. Woher kam die Inspiration dafür?

Kevin (in Richtung Max): Woher kam denn die Inspiration? Das war einer der ersten Karies Songs überhaupt. Der erste von dir. Das war die erste Nummer, bei der Max gesungen hat.

Max: Das ist jetzt ja auch schon irgendwie fünf Jahre her. Deswegen ist es natürlich schwierig das zu rekonstruieren. Aber ich meine, dass wir da so einen Proberaum hatten. In Dresden. Das war so ein alter Luftschutzkeller. Der war schon so ein bisschen morbide auf jeden Fall und das findet sich dann auch in dem Stück.
Das ist halt ein Einfall und der kommt einfach. Deswegen ist es schwer zu sagen woher das dann jeweils kommt. Manchmal, wenn man in einer bestimmten Stimmung ist. Man muss ja überhaupt erstmal Lust haben, ans Instrument zu gehen. Aber woher das dann kommt ist irgendwie schwer zu sagen.
Sobald das Instrumental da ist, dann hat das wiederum eine eigenen Stimmung und dann kommen ganz von allein irgendwelche Bilder, dann summe ich vielleicht irgendwie etwas mit und mache irgendwelche Laute dazu. Dann irgendwann schält sich so ein Wort mal heraus und davon ausgehend ist der Text dann irgendwie da. Für mich ist das aber auch nicht transparent wie das funktioniert.

Das ist vielleicht auch ein bisschen so die Magie dabei.

Kevin: Kennst du beide Versionen von Wahrheit träumt nicht?

Ja. Ich habe „Fun ist ein Stahlbad“ auch auf dem Handy.

Kevin: Die sind ganz unterschiedlich von der Dynamik her.

Die vom Album gefällt mir ein wenig besser.

Kevin: Mir auch, glaube ich. Die andere hat aber auch was, finde ich. Die ist näher an der Demo.

Sie wirkt halt roher, wie ich finde.

Jan: Ja auf jeden Fall

Welche Bands habt ihr euch zuletzt Live angesehen?

Kevin: Also ich war zuletzt auf nem Konzert von einem Musiker aus Texas. Der heißt Jandek. Ich weiß gar nicht genau wo aus Texas er kommt, aber er hat sein erstes Album 1978 veröffentlicht. Und hat so 30 Alben seither rausgebracht, so vollkommen anonym. Er hat erst vor 10 Jahren angefangen Konzerte zu spielen. In ganz unregelmäßigen Abständen.
Der hat im Haus der Kulturen der Welt in Berlin gespielt. Ganz beklemmende Musik irgendwie. Es ist hauptsächlich Folk aber später hat er auch ein paar elektrische Sachen gemacht und auch ein paar a capella Alben. Super verstörend. Man wusste bis vor ein paar Jahren gar nicht, wer hinter diesen Platten steckt. Es war so ein junger Mann auf dem ersten Albumcover und über die Jahre ist dieser Mann auf dem Cover älter geworden. Da gibt es auch einen tollen Dokumentarfilm drüber.
Konzert war super!

Max: Bei mir wars Walls & Birds in Stuttgart.

Kevin: Wirklich? Wann haben die gespielt?

Max: Ich weiß das nicht mehr, ist schon ein bisschen her. Zwei Monate oder so.

Jan: Ich glaub das war The Bad Plus. Ein sehr gutes Jazz-Trio mit Einflüssen der Indie-Musik. Ein bisschen poppiger auch.

 

 

Als kleines Dankeschön für das Interview haben wir die Band mit Zahnbürsten und Pfeffi als Mundwasser versorgt. Dinge, die auf Tour wichtig sind.

Das Interview führte Mar.

 

 

 

 

 

 

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