Interview: Reckatz

Tim Schulze Dieckhoff vereint zwei der besten Dinge auf diesem Planeten in seinen Cartoons. Schallplatten und Katzen. Nein nein, nicht so wie ihr denkt. Ganz ohne Zerstörungswut, Kratzer oder angeknabberte Sleeves.
Unter dem Namen „Reckatz“ veröffentlicht er die Strips sowohl in  Deutsch, als auch in Englisch auf seiner Webseite.
Gute Nachrichten für Schallplattenfans. Die bisher digital veröffentlichten Strips könnt ihr auch in die Hand nehmen. Das 2. Heft erschien am 18.01. ganz analog und, wie könnte es anders sein, im Format einer 7inch. Das alles haben wir uns zum Anlass genommen, den Schöpfer der plattensammelnden Katzen zum Interview zu bitten.

Beschreibe doch bitte einmal in deinen Worten, was sich hinter „Reckatz“ verbirgt.

Reckatz sind Cartoons für Schallplattenfreunde. Kleine Vier-Bildgeschichten, in denen humanoide Katzen sich mit den Problemen des Vinyl-Sammelns herumschlagen. Plattensammeln ist kein Ponyhof. Da gibt es viele Facetten, über die macht man sich als Außenstehender gar keine Gedanken. Es gibt so unterschiedliche Gründe, warum Menschen gerade diesen Tonträger bevorzugen, da hat jeder seinen Spleen, das fand ich interessant. Ich bin ja auch einer und auch ich hab da so meine Macken.

 

Was hat dich dazu inspiriert vermenschlichte Katzen als Protagonisten für deine Cartoons zu wählen?

Als ich mit meinem Projekt anfing, waren meine Protagonisten noch Menschen. Irgendwie war ich damit aber nicht zufrieden, ich war auf der Suche nach einer besseren Lösung. Als ich mich mit Torsten, der auch die Linernotes für das erste Heft geschrieben hat, darüber unterhielt, sagte er: „Dann zeichne doch Katzen und nenn das Ganze Rec-Katz“. Auch wenn ich für Wortspiele immer zu haben bin, war ich anfangs nicht so überzeugt von der Idee. Nach den ersten Versuchen zeigte sich aber schnell, dass es der richtige Weg war und der Name war einfach zu gut.

Wann hast du deinen ersten „Reckatz“-Strip gezeichnet?

Sylvester 2014/15 habe ich mir, quasi als Vorsatz für das neue Jahr, vorgenommen wieder mehr zu zeichnen. Die grobe Idee, kurze Cartoons über das Thema Plattensammeln zu machen war recht schnell klar, aber bis das Format und der Stil definiert waren, hat es noch einige Zeit gedauert.


Welcher deiner Charaktere ist dir selbst am ähnlichsten?

Gizmo. Der Name kommt in den Comics allerdings gar nicht vor. Es ist die Katze im Karo Hemd. Die hat deutlich mehr Haare auf dem Kopf, aber was die Körperhaltung und die Ansichten angeht, so steckt da am meisten von mir drin.

In den anderen Katzen findet sich natürlich auch etwas von mir wieder. Jede hat ihren Charakter mit verschiedenen Eigenheiten. Manche meiner Eigenschaften passen besser zu anderen Katzen als zu Gizmo.

Welcher der bisher erschienen Strips ist dein persönlicher Favorit?

Schwer zu sagen. Vielleicht dieser:

Wenn man tolle Platten im Regal hat, sollte man sie auch spielen. Schallplatten sind Gebrauchsgegenständ, das wird heutzutage leider manchmal vergessen. Wir kaufen sie doch vor allem weil wir die Musik lieben, die drauf ist, was nützt es dann sie zu schonen.

Woher kommt deine Inspiration für neue Strips?

Die Inspirationen kommen aus Gesprächen mit Freunden und anderen Sammlern und natürlich aus meinem täglichen Leben. Das wenigste davon hat sich so zugetragen, aber die Idee, der Kern der Geschichten stammt aus der Realität.

Deine Cartoons gibt es ja mittlerweile auch auf Englisch. Fällt es dir dabei manchmal schwer, die Stimmung oder Botschaft zu transportieren, die das „Original“ hatte?

Im Grunde ging das recht gut. Ich habe das mit Torsten zusammen gemacht und dann haben wir das noch mal von Muttersprachlern lesen lassen.

Wenn du nicht gerade neue Cartoons zeichnest, was machst dann?

Fast alles, denn das Zeichnen ist ja nur ein sehr kleiner Teil meines Lebens. Ich arbeite Vollzeit als Verkäufer/Einkäufer für, wer hätte es gedacht, Schallplatten. Ich gehe auch regelmäßig zu Musikquizzen und lege auf.

Was verbindest du persönlich mit Schallplatten und welche ist das Herzstück deiner Sammlung?

Schallplatten sind etwas Tolles. Ich mag die Cover, die Labels, alles. Ich finde es auch schön, wenn Platten Ringwear haben oder auch ein Autogramm des Vorbesitzers, das zeigt doch, dass die Platte schon etwas erlebt hat. Ob Platten besser klingen als CDs, weiß ich gar nicht, ist aber auch egal. Fakt ist, dass es viel mehr Spaß macht Platten anzuhören, sie anzufassen und anzusehen. Das ist jetzt nur die Kurzfassung, denn von Platten könnte ich noch lange schwärmen.

Keine Ahnung, welche Platte das Herzstück meiner Sammlung ist, es gibt einige, die mir sehr am Herzen liegen. Kürzlich habe ich mir eine Single von Lord Cobra ersteigert, „Love Letters“, ein super Stück. Die Single stammt aus Panama und hat ein weißes Label, auf das mit Kuli der Titel geschrieben wurde.

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Die Platte kannte ich vorher und habe sie gezielt gesucht, schöner sind aber die, die man sieht und denkt: „Ich hab keine Ahnung, was das für Musik ist, aber ich weiß, dass ich die brauche.“ Manchmal liegt man dann ja doch daneben, aber hin und wieder findet man so echte Goldstücke. Ein Beispiel dafür wäre „Grazie Zia“ von Ennio Morricone. Die Single B-Seite „Guerre e pace pollo e brace“ hat mich echt umgehauen. Ein Chor, der ohne Punkt und Komma und ohne Luft zu holen über einem fetten Beat singt. Auf so was steh ich. Sieht auch noch toll aus.

Welche Platte steht aktuell ganz oben auf deiner Wunschliste?

Ach, ganz oben stehen halt Platten, die eh völlig unmöglich zu finden bzw. zu bezahlen sind. Die „Night and Day of Screamin‘ Jay Hawkins“ aus dem Cartoon habe ich tatsächlich nur einmal gesehen und sie war mir zu teuer. Toni Basil mit „Breakaway“ auf A&M werde ich wohl auch nicht bezahlbar finden. So viel Glück wie Gizmo, Wendy Renes „After Laughter“ für einen 10er zu finden werde ich wohl auch nicht haben. Durch das Internet ist es ja eh schon einfacher geworden, Platten zu finden und – leider auch langweiliger. Ich kaufe ja viel lieber in Läden als im Netz.