Heiß, Heißer, Tourlaub mit The Busters (Teil 2: Dresden / Berlin / Hamburg)

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Es ist der 29. Mai 2018 und draußen sind über 30ºC. Ich liege auf meinem Bett und wünsche mir den Winter zurück, die Tour, den Spaß.

„Arbeit nervt“ haben Deichkind mal gesungen – das Lied ist neuerdings mein ständiger Begleiter. Ich habe nämlich erst ein viertel Jahr nach dem Tourlaub endlich mal die Ruhe gefunden, über jenen zu bloggen – ich habe es ja noch nicht mal geschafft, mein privates Tourtagebuch fertig zu schreiben…

Wie auch immer, viel Spaß mit Teil 2 von Heiß, Heißer, Tourlaub mit The Busters!

 

Wir schreiben den 26. Januar, ein kühler Tag in Dresden. Meine Begleitung holt mich von der Arbeit ab, dann wird sich schnell zu Hause schick gemacht und ab auf die Piste. The Busters spielen in der Scheune – ein besonderes Konzert für mich, nicht nur weil es quasi bei mir daheim ist, sondern weil hier vor zwei Jahren alles angefangen hat. 2016 war ich in Dresden auf meinem ersten Konzert der Ska-Legende. Daraus wurden dann schnell sehr viel mehr und ich entdeckte meine Liebe für’s Touren.

Wir gönnen uns noch ein schnelles Abendbrot in Form einer Schnitte, packen zwei Flaschen Brause ein. Die Straßenbahn ist voll, in der Scheune ist es noch unberuhigend leer. Der VVK soll nicht so gut gelaufen sein, sagt man uns. Heute Abend bin ich auch der einzige Tourer, der da ist, denn die anderen haben den heutigen Freitag nicht frei bekommen.

Wie wir so am Bühnenrand lehnen, kommt der neue Gitarrist Fabian auf uns zu, umarmt mich zur Begrüßung herzlich. Es ist unser erstes gemeinsames Konzert, wir standen vorher jedoch schon ein wenig in Kontakt – ein toller Typ!

Die Ohropax, die ich mir gekauft habe, weil ich nach den letzten Konzerten immer halb taub war, fliegen nach dem ersten Lied weg – sie verursachen nur, dass mir total schwindelig wird. Also muss es ohne gehen. Vorerst gehe ich auch nur einmal surfen, da es mir immer etwas ungeheuer ist, wenn meine Leute nicht dabei sind – wer fängt mich dann auf? Wider aller Angst halten mich tatsächlich alle fest und es macht wie immer einen riesen Spaß. Der Knaller kommt bei Mickey Mouse in Moscow. Es ist zu unserer „Tradition“ geworden, dass wir als erste Reihe bei dem Lied geschlossen stehen bleiben und keinen Finger rühren. Selbstverständlich ziehen meine Begleitung und ich das zu zweit auch durch bis – ja bis – Rob auf mich zu kommt, sich vor mich hockt, meinen Arm greift und mich auf die Bühne hebt zum Tanzen… Keine Widerrede. Ich tanze mit den Jungs auf der Stage, nutze die Gelegenheit, um gleich am Anfang des nächsten Liedes noch einmal surfen zu gehen – Dead or Alive ein Lied, bei dem ich wegen des großen Pogos eher ungern springe, aber was soll’s. No risk, no fun. 😉

© fdjpunx

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Mein persönliches Highlight auf den Konzerten ist, dass Joe jedes Mal bei der Line „take a chance stagediving at the Helene Fischer Show“ zu mir kommt und wir beide gleichzeitig Finger Guns machen. 😀

Zum Glück endet das Konzert bevor ich verdursten kann und so stürzen wir uns gleich nach der Verabschiedung zur Bar, stellen uns dann zum Merch, um runterzukommen und neue Energie für die Nacht zu tanken, denn die wird lang… Eine Frau spricht mich an, dass ich „ja total wie Tilda Swinton“ aussehe – meine Begleitung stimmt ihr zu. Ich muss erst einmal googlen wer das ist. Sie fragt mich, ob ich das öfter zu hören bekomme, ich verneine. Witzigerweise ist es einer der Bandmenschen, der mir dann vier Wochen später genau dasselbe sagt!

Wir trinken noch bis wir gebeten werden, abzufahren, dann ziehen wir weiter. Es hat inzwischen angefangen, zu regnen. Trotzdem machen wir uns erst um vier Uhr morgens auf den Heimweg, dreiviertel (für die Wessis: viertel vor) fünf sind wir im Bett, halb sechs schlafe ich ein. Es war eine unfassbar gute Nacht! Jetzt heißt es zwei Wochen warten, dann geht der Spaß in Berlin weiter – wie immer in meinem Lieblingsschuppen SO36.

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10.Februar: Der Flixbus ist voll und wegen des begrenzten W-Lan Zugangs kann ich meinen Beatles Film nicht gucken – die Fahrt zieht sich also ungewöhnlich lang hin. Glücklicherweise erwische ich am Alex den knappen S-Bahn Anschluss, den ich mir im Vorfeld in meinem Tourbuch notiert hatte. Dieses Tourbuch hatte schon in Köln für Amüsement gesorgt. Es ist ein kleines, grünes Notizheftchen mit der Aufschrift „CREW“. In diesem Heft habe ich alle Fahrtdaten, Zuggleise, Anschlüsse, Hoteldaten, Adressen und die Showtime notiert, falls ich mein Handy verlieren sollte oder der Akku leer ist und ich dann nicht dumm dastehe. Außerdem habe ich so immer alles auf einem Blick und muss nicht zwischen Apps und Screenshots hin und her suchen – wie auf einer echten Tour halt.

Auf dem Weg zu A&O laufen wir am Bandhotel vorbei, vor dem sogar schon die Bandbusse stehen. Die Jugend ist in Kreuzberg unterwegs, der Rest lässt es ruhig angehen, so auch wir. Während die eine Hälfte noch duschen will, machen wir uns zu zweit auf den Weg, um Essen für den Abend und die Heimfahrt zu organisieren – außerdem streunern wir hilflos auf der Suche nach einer Bank um den Ostbahnhof. Nachdem wir einen Geldautomaten gefunden haben, der keine horrenden Gebühren für’s Abheben kassiert, gehen wir noch Postkarten shoppen.

Da unser Doppelzimmer der Größe einer Gefängniszelle gleicht und man auf dem Klo die Beine anziehen muss, um die Tür schließen zu können und es bei den anderen ein Stockwerk tiefer nicht anders aussieht, machen wir uns schon zeitig, nachdem noch ein weiterer Konzertmensch im Hotel eingetroffen ist, auf den Weg Richtung SO. Dort erwartet uns auch schon der Rest der Bande von diesem Abend. Ich gehe noch zu meiner Lieblingspizzeria essen, während die anderen sich schon mal den Arsch abfrieren, denn es ist eindeutig zu kalt für Chucks und Jeans.

Gleich nach dem Einlass kaufe ich mir am Merch eine College Jacke aus dem neuen Sortiment. Sie ist weinrot mit grauen Ärmeln, auf der linken Brust ist das Busters Logo und auf der Rückseite steht groß „SKA AGAINST RACISM“. Glücklich über den Erwerb der Jacke beziehe ich meinen Stammplatz, da mein Knie schon vor Konzertbeginn streikt, mache ich es mir noch auf der Bühne bequem. Von da aus hat man einen super Überblick und ich beobachte, wie immer mehr Menschen in den Club strömen. Unter den hunderten von Gesichtern ist dann sogar ein bekanntes: Rachel vom Farin Urlaub Racing Team schlängelt sich durch die Leute zu uns nach vorn. Sie lächelt mich ob meines FURT Pullovers an, ich winke zurück und wir kommen kurz ins Gespräch.

Das Konzert ist von Anfang an schweine heiß. Ich suche Abkühlung darin, indem ich sehr viel stagediven gehe, denn über der Masse ist es angenehm kühl. Außerdem wird man im SO unentwegt Richtung Bar getragen, so kann ich immer wieder unsere Getränke aufstocken. Am Merch ist es dann sogar so frisch, dass man eine Strickjacke tragen muss. Die Tür nach draußen steht offen, damit Luft in den Saal kommt, doch außer direkt daneben merkt man davon nicht viel.

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Der Pogo ist wie immer in Berlin sehr hart und ich lande einige Male sehr unsanft mit dem Oberkörper auf der Bühne, einmal direkt auf Joe… Trotzdem ist es eine super Sause!

Nach dem Konzert treffen wir Alex, der für den erkrankten Fabian einspringt. Und dann geht es richtig los: Disko. Wenn man nicht schon nach dem Konzert fertig war, war man es spätestens nach weiteren Stunden auf der Tanzfläche. Gegen zwei Uhr morgens wird es mir dann doch zu viel und ich zieh mich zurück. Irgendwann später trudelt dann noch der Rest der Tanzmeute ein, wir essen noch etwas und unterhalten uns ein wenig bis es heißt „Abfahrt!“. Auf dem Weg nach draußen reißt jeder noch einen flachen Witz – einfach weil. Dann heißt es Abschied nehmen, doch zum Glück nur für eine Woche!

Im Hotel trennt sich dann auch unsere Gruppe, denn die Anderen bleiben noch ein bisschen länger in der Stadt. Todmüde und überglücklich verkrümel ich mich in meinem Bett, nachdem wir unser Zimmer noch ein wenig umgeräumt haben. Der Wecker klingelt nicht allzu früh und als erstes stelle ich den alten Röhrenfernseher an, der von der Decke hängt. Es läuft der Spongebob Film und so chillen wir noch ein wenig, bevor es los gen Daheim geht.

Als wir auf dem Weg zum Bahhof am Bandhotel vorbei kommen, sehen wir ein paar der Jungs durch die Lobby und den Frühstücksraum laufen. Später als die S-Bahn losfährt, sehen wir sie von Weitem die Busse beladen. 😀

Zuhause muss ich dann schnell meine Tasche neu packen, denn ich fahre die Woche über auf ein Seminar und am nächsten Wochenende direkt weiter nach Hamburg.

 

Am 17. Februar ist mein persönlicher Tourabschluss in der Fabrik. Leider wird die Erzählung hier ziemlich löchrig, da ich wie eingangs erwähnt noch nicht einmal die Zeit gefunden habe, den Tag in meinem „privaten“ Tourtagebuch zu verewigen…

Das Erlebnis Hamburg startet damit, dass ich in Altona aus dem Zug steige und dumm angeguckt werde. Ich wundere mich. Hab ich was im Gesicht? Sind meine Haare komisch? Als ich an mir runter sehe, fällt es mir auf: Ich habe aufgrund des kalten Winterwetters meinen Dynamo Dresden Schal umgemacht – und alle anderen tragen St. Pauli. Na toll. Vor Schreck habe ich mich dann auch gleich im S-Bahn-Bahnhof verlaufen und finde in letzter Minute den richtigen Zug Richtung Schanzenviertel.

Vor anderthalb Jahren war ich hier das erste Mal bzw. hat hier mein Leben als Tourer begonnen. Damals bei 33°C im Schatten im noch mal 20 Grad wärmeren Schanzenzelt erlebte ich mein zweites The Busters Konzert überhaupt. Es war mein erstes Auswärtskonzert alleine, mit Leuten, die ich da noch nicht wirklich kannte und volljährig war ich auch nicht, dazu kam, dass unser Hostel ein alter Puff mitten auf der Reeperbahn war. Wenn das mal kein Einstand war, dann weiß ich auch nicht.

Mit diesem schönen Gedanken mache ich mich auf einen kleinen Spaziergang durch das Schanzenviertel, versuche mich an alles zu erinnern, was damals passiert ist und wo wir überall waren. Ohne das Zirkuszelt sieht der Park sehr trist aus und es pfeift ein kalter Wind durch die kahlen Bäume. Auf dem Rückweg zu unserem Hotel (die Superbude empfehle ich hiermit sehr!) gehe ich wie schon in Berlin Postkarten shoppen und setze mich im Zimmer gleich daran, sie zu beschriften. Da die anderen noch nicht da sind, kann ich mir dabei Zeit lassen und TV gucken.

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Gegen sieben brechen wir geschlossen in Richtung Fabrik auf, wo wir auf den Rest der altbekannten Leute (und auch neue Konzertgänger) treffen werden. Vor dem Einlass machen wir noch einen kurzen Abstecher zu REWE, wo mir der Bäcker ein Brötchen schenkt, einfach weil. Gestärkt lässt es sich dann auch besser der Kälte trotzen und nach einem Sturzbier vor den Türen der Halle können wir dann endlich rein – wenn man erst einmal die Flasche geöffnet hat, beginnt der Einlass dann doch schneller als einem lieb ist, so ist es doch jedes Mal, oder?!

Die Konzerte in der Fabrik gelten als legendär, ähnlich derer in Bremen. Seelisch auf das härteste Konzert der Tour vorbereitet, stehe ich also in der ersten Reihe. Und ich schlage mich tapfer. 😀 Wenn ich mitzählen würde, könnte ich vielleicht auch behaupten, dass ich auf diesem Konzert am meisten surfen war – zumindest habe ich das Gefühl, dass es so war. Mein erster Jump, der etwas schief ging, da ich zu weit abgesprungen bin, hat dann Einzug ins neue Musikvideo zu „Late Night Jamboree“ gefunden, suuuuper. (Für dieses Video wurde das gesamte Konzert mitgeschnitten, die Kamera bediente wie auch schon im November Krzysztof Gajewski.) Trotzdem freue ich mich  riesig, auch bei diesem Video dabei gewesen sein zu dürfen – es ist definitiv das beste Erinnerungsstück für einen Tourabschluss!

© Krzysztof Gajewski // https://www.youtube.com/watch?v=9A8VI_K0yg8

© Krzysztof Gajewski // https://www.youtube.com/watch?v=9A8VI_K0yg8

Einen kleinen Haken hat der Abend dann doch noch: Als ich mich gerade vor der Wall of  Death in Sicherheit bringen will, zerrt mich jemand am Kragen zurück und ich stürze zu Boden, werde glücklicherweise aufgefangen, aber habe mir dabei natürlich mein eh schon sehr kaputtes Knie verdreht. Da hat dann auch die Bandage nichts mehr retten können… Da hilft nur die Zähne zusammenbeißen und weiter geht’s!

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Nach dem Konzert wird noch lang gequatscht, getrunken (Gin Tonic, Baby!) und es gibt eine kleine Dirty Dancing Einlage. In dieser Nacht entsteht dann auch der wichtigste Bestandteil meines zukünftigen Busters-Tattoos. Der Abschied am frühen morgen wird noch einmal heftig emotional, zumindest für mich. Insgesamt sieben phantastische Konzerte und lange „Partys“ habe ich in diesem Winter mit meinen Lieblingsleuten erlebt und ich möchte in diesem Moment nicht wahrhaben, dass es schon vorbei ist. Um die ganze Sache abzurunden, erwischt mich die Tourpest in der Woche nach dem Konzert ein letztes Mal. Den offiziellen Tourabschluss verbringe ich also mit Fieber im Bett, hätte aber so oder so nicht dabei sein können, da ich eigentlich hätte arbeiten müssen.

 

Wieder zurück im 30°C Grad warmen Mai. Das eben erwähnte Tattoo ist inzwischen eine Woche und drei Tage alt – und ich bin schwer verliebt. The Busters starten in Kürze auf ihre Südamerika Tour, die für uns Tourer leider außerhalb unseres Budgets liegt, aber im Herzen bin ich sowieso immer dabei!

Danke für diese wunderbare Zeit.